Der Wind trug den kleinen Samen weit.
Er spielte mit ihm, hob ihn, drehte ihn, ließ ihn tanzen. Mal sanft, mal wild. Mal wie ein Freund, mal wie ein Lehrer.
Der Same wusste nicht, wie lange er schon flog. Er wusste nur: Die Welt unter ihm veränderte sich.
Die Wälder wurden lichter. Die Hügel flacher. Die Farben kühler.
Und irgendwann roch die Luft anders.
Nicht nach Harz. Nicht nach Erde. Sondern nach etwas Weichem, Rundem, das er nicht kannte.
Der Wind kannte es.
Er wurde langsamer. Er wurde tiefer. Er wurde schwerer.
„Hier endet meine Reise“, schien er zu sagen, ohne ein Wort zu sprechen.
Der Same sank. Nicht wie ein Stein. Eher wie ein Gedanke, der zu Boden möchte.
Unter ihm lag etwas, das sich bewegte, ohne zu gehen. Das glitzerte, ohne zu leuchten. Das sprach, ohne eine Stimme zu haben.
Wasser.
Es atmete in Wellen. Es öffnete sich, als hätte es auf ihn gewartet.
Der Wind legte den Samen an seine Oberfläche. Ganz vorsichtig. Fast zärtlich.
Dann ließ er los.
Der Same schwamm nicht. Er wurde getragen.
Das Wasser nahm ihn auf, wie die Luft es getan hatte – nur anders. Tiefer. Ruhiger. Geduldiger.
Und so ging seine Reise weiter. Von der Luft ins Wasser. Von einem Element ins nächste. Ohne Eile. Ohne Angst. Einfach getragen.
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