„Natürlicher Pflanzenschutz“ ist deutlich mehr als die Auswahl des richtigen Düngers oder der Verzicht auf Chemie. Ein fachlich korrekter Rückschnitt, die Auswahl des passenden Standorts, eine ausgewogene Pflanzen-Ernährung, aktives Bodenleben sowie die richtige Menge Wasser zum richtigen Zeitpunkt, all das und noch mehr kann Pflanzen auf natürliche Weise schützen.
Da jede Pflanze in irgendeiner Weise „im Boden steckt“ liegt es nahe, dass bereits beim Pflanzen sehr vieles zum künftigen Wohlbefinden der Pflanze beigetragen werden kann.

Am Anfang steht der Boden
… wenn Du gerade erst anfängst Pflanzen in dein Leben zu holen, halte kurz inne und wende Dich Deinem Boden zu.
Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme.
Welche Art von Boden habe ich überhaupt? Da gibt es zum Beispiel Lehm, Sand, Humus und viele Abstufungen dazwischen.
Um herauszufinden welche Bodenbestandteile sich im Erdreich befinden kann man einen Wasserglastest machen.
Schneller geht aber auch eine Handprobe.
Dazu nimmt man einfach etwas leicht feuchte Erde aus seinem Garten in die Hand und drückt diese zusammen.
Es ist natürlich sinnvoll ein kleines Loch zu graben und Erde aus einigen Zentimetern Tiefe zu entnehmen (20-100cm je nachdem was man an dieser Gartenstelle vorhat). Beim Graben kann man direkt die erste wichtige Beobachtung machen. Welche Arten von Kleinstlebewesen sind zu entdecken?
Findet man zum Beispiel viele Regenwürmer so kann man annehmen, dass der Boden gut mit organischer Masse versetzt ist.
Sind dagegen keine Regenwürmer und auch keinerlei anderes Kleingetier zu erspähen, wird der Wasserglastest sicher ergeben, dass der Humusgehalt der Erdprobe gegen null tendiert, anstelle der 5-15%, die man sich für ein Pflanzengedeihen wünscht.
Also eine handvoll feuchter Gartenboden wird in der Hand zusammengedrückt. Wenn man die Hand wieder öffnet und es direkt zu rieseln beginnt, oder der Klumpen nur einen sanften Stups benötigt um zu zerfallen ist der Boden sehr sandig. Fällt der Erdklumpen erst auseinander wenn man mit einem Finger draufdrückt, kann man von einem Erdgemisch ausgehen. Wobei da auch bereits eine feinere Abstufung anhand der Klümpchengröße ablesbar ist; viel Sand heißt kleine Klümpchen, viel Lehm heißt größere Klumpen, ausgewogen Sand/Lehm/Humus erkennt man an einer feinkrümeligen Bröckchenbildung. Hält der Klumpen und ist man versucht direkt einen Ziegelstein oder eine Skulptur daraus zu formen, dann handelt es sich um lehmigen Boden.
Wenn man es nun noch genauer wissen möchte, hilft eine eingehendere optische Betrachtung weiter.
Ist der Boden Sandig, aber dennoch sehr dunkel, kann man von humosem Sand ausgehen. Vielleicht wurde hier vor etwas längerer Zeit Kompost untergearbeitet.
Der leicht formbare, aber dennoch bröckelige/krümelige Boden ist ebenfalls anhand seiner Farben weiter einstufbar. So kann es hier auch wieder hellsandig, dunkelhumos, oder lehmig hellbraun aussehen. Ein solcher Boden erinnert an gesunden Waldboden und ist meist mit wertvollen organischen Nährstoffen angereichert, die durch Kompost- und Mulchwirtschaft entstanden sein kann.
Lehmboden erkennt man am besten an seiner sehr einheitlichen Farbgebung und der Zähigkeit. Lehm ist mit einer kleinen Pflanzschaufel fast nicht zu bearbeiten. Außerdem enthält er nur wenig bis keinen Humusanteil und auch Regenwürmer und andere Bodenbewohner wird man hier kaum antreffen.
Warum jetzt überhaupt dieser Aufwand?
Weil es Dir den Umgang mit Deinen zukünftigen Pflanzen sehr viel leichter machen kann.
Wenn man seine Pflanzen anhand seines vorhandenen Bodens plant, muss man deutlich weniger Aufwand in die Bodenaufbereitung investieren. Das Wiederum spart Zeit und Kosten und lässt die Pflanzen auf natürliche Weise gesund und vital erscheinen. Denn wenn eine Pflanze in der freien Natur gerne auf lehmigem Grund würde sie in einem Sandkasten wenig Freude empfinden und auch keine verbreiten. Umgekehrt, ist eine sandliebende Pflanze in einem Lehmboden kaum vom ertrinken und vergammeln zu bewahren.
Am Ende steht der Boden
… auch wenn alle Pflanzen bereits seit Jahren im Boden stehen gibt es noch einiges, was man als Langzeitpflege für den Boden unter und um den Pflanzen herum tun kann.
Natürlich ist es wichtig zu wissen, welche Pflanzen Du in Deinem Garten hast. Nur wenn man weiß, welche Pflanze man in Pflege hat, kann man auch die richtige Pflege erbringen.
Wichtigstes bei bestehenden Pflanzen zuerst:
Wenn Du etwas „Krankes“ an einer Pflanze entdeckst, dann mach das „Kranke“ weg. Natürlich nutzt man dafür bitte eine scharfe Schere, Säge oder auch Messer. Krankes hat im Garten nichts zu suchen, auch nicht auf dem Kompost. Derlei Unrat wird bitte über die Restmülltonne entsorgt, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit bestmöglich zu unterbinden.
Alles andere gehört in den Kreislauf der Natur und soll möglichst an Ort und Stelle in den ewigen Nahrungskreislauf zurückfinden. Das soll heißen, solange es die eigene Ästhetik erlaubt dürfen Blütenteile, Laub, kleine Ästchen oder auch gefallene Früchte an Ort und Stelle in den Nährstoffkreislauf zurückfinden. Der Vorteil dabei ist, dass es die am wenigsten arbeitsintensive Variante ist, um mit seinen Garten-„Abfällen“ umzugehen. Und dabei übernimmt das abgefallene organische Material auch gleich noch jahreszeitengerecht die perfekte Mulchung der Pflanze.
Wem das einfach nicht zusagt, der kann die gefallenen Pflanzenteile in einem Kompost sammeln, dort die Zersetzung stattfinden lassen und danach die hübsche, dunkelbraune feinkrümelige Komposterde wieder seinen Pflanzen zurückgeben. Hier erhält der Garten flächig gesehen mehr durchmischte Nährstoffe, und der Kreislauf ist mit einer kleinen Umgehungsstraße nahezu aufrecht erhalten.
Beide Varianten sparen auf jeden Fall einen Teil der Kosten für Düngemittel.
Nur einen Teil und nicht alle, weil es durchaus sinnvoll ist, manche Pflanzennährstoffe in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen „zuzufüttern“. Da durch Wind und andere Erosion ein Teil der eigenen Biomasse aus dem Garten entfernt wird, ohne dass man dies verhindern könnte.
Ein weiterer Punkt über den man bestehenden Pflanzen noch nachträglich den Boden unter den Wurzeln nachbessern kann ist Mulch. Aber nicht jeder Mulch wird von jeder Pflanze begrüßt. Da hilft es wiederum zu wissen, welche Pflanze man vor sich hat. Zum Beispiel freuen sich alle Moorbeetpflanzen (Rhododendron, Bauernhortensien, Blaubeeren uvm.) über säuerliche Erde. Aber was tun, wenn die Erde, die man zur Pflanzung verwendet hat einfach aufgebraucht ist? Dann kann man hier wunderbar zu Pinienrindenmulch greifen. Dieser säuert das Erdreich konstant nach und lässt so die Pflanzen gut gedeihen.
Umgekehrt freut sich Lavendel, oder ein Weinstock, die ja eher von trockenen kalkhaltigen Böden profitieren über Steinmulch aus zum Beispiel Kalkstein. Eine gelegentliche Portion Extrakalk über zerstoßene Eierschalen zum Beispiel lässt bei diesen Pflanzen die Nährstoffleitungen heißlaufen.
Steht der Boden denn überhaupt gerade, oder herrscht eine Gefällesituation?
In einer Hanglage, egal wie steil oder sanft das Gefälle verläuft gelten weitere Regeln. Hier darf besonders Augenmerk beim Gießen an den Tag treten. Auch beim Ausbringen von Düngemitteln sollte man eine Gefällesituation berücksichtigen.
Du siehst also, vieles steht und fällt auf dem/den richtigen Boden.
Aber Garten wäre ja schon fast einfach und kaum einer Ausbildung wert, wenn da nicht noch mehr Möglichkeiten bestünden natürlichen Pflanzenschutz zu betreiben.
Als Stichwort möchte ich hier zum Beispiel die Allelopathie erwähnen.

Ebenso nützlich ist ein pflanzengerechtes Gießen.
Selbst die Teilnahme an dem Garten-Trend „No Mow May“ hilft dem Garten gesünder zu sein weil hier natürliche Kreisläufe gefördert werden.
Wenn Du gerne mehr über den Weg zu Deinem eigenen, handzahmen Garten erfahren möchtest, rufe mich an, oder schreibe mir.