Eine kurze Zusammenfassung zu unserem „normalen“ Kalender:
Der gregorianische Kalender, auch bürgerlicher Kalender genannt, ist ein Sonnenkalender, der die Bewegung der Erde um die Sonne abbildet. Teil dieses Kalenders sind vier Jahreszeiten, die immer zu festen Tagen beginnen und enden. So beginnt der kalendarische Frühling üblicherweise am 20./21. März, über den kalendarischen Sommer dürfen wir uns ab dem 21. Juni freuen und diesem folgen ab 22./23. September der Herbst und zuletzt ab dem 21./22. Dezember der Winter. Diese Jahreszeiten sind alle ziemlich gleich lang und somit aus gärtnerischer Sicht zu grob und ungenau.
Die Phänologie:
Phänologie (altgriechisch φαίνω phaíno, deutsch ‚ich erscheine‘ und -logie von altgriechisch λόγος lógos, deutsch ‚Lehre/Wissenschaft‘) ist eine eher junge Wissenschaft. Als der Begründer gilt Carl von Linné, ein schwedischer Naturwissenschaftler, der im 18. Jahrhundert den Blütezeitkalender erstelle. Seit dem 19. Jahrhundert begann in Deutschland die systemischer Erfassung von jährlichen Naturereignissen und Verhaltensweisen von Tieren. Derzeit gibt es etwa 1.300 Beobachtungsstellen, die von Hobbygärtnern, Naturliebhabern, Förstern und Landwirten betreut werden. Die Beobachtungen werden über Meldebögen an den Deutschen Wetterdienst geschickt, der die Daten auswertet und archiviert.
Der phänologische Kalender grob erklärt:
Im Gartenbau und der Landwirtschaft spielt der phänologische Kalender eine wichtigere Rolle. Der phänologische Kalender teilt das Jahr in 10 Jahreszeiten auf. Dabei spielen einzelne Daten, wie zum Beispiel ein 1. März, ein 20. Juni etc. keine Rolle. Die phänologischen Jahreszeiten richten sich dem jeweiligen Entwicklungsstand von bestimmten Zeigerpflanzen.
Was sind Zeigerpflanzen, und was haben die mit den 10 phänologischen Jahreszeiten zu tun?
Zeigerpflanzen für den phänologischen Kalender reagieren sehr eindeutig auf bestimmte klimatische Gegebenheiten. So sorgen die sich ändernden Licht- und Temperaturverhältnisse für Reaktionen der Pflanzen, wie zum Beispiel die Blüte, die Herbstfärbung oder den Laubabwurf bei bestimmten Pflanzen.
Die 10 phänologischen Jahreszeiten und woran man sie zum Beispiel erkennt:
Vorfrühling
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Blüte von Hasel, Salweide und Schneeglöckchen.
Erstfrühling
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Blüte von Forsythie, Kirsche und Schlehe.
Laubentfaltung von Birke und Buche.
Vollfrühling
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Blüte von Apfel, Flieder und Rosskastanie.
Laubentfaltung von Eiche und Hainbuche.
Frühsommer
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Blüte von Holunder
Hochsommer
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Blüte von Sommerlinde.
Fruchtreife von Johannisbeere.
Spätsommer
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Fruchtreife früher Obstsorten, sowie
Fruchtreife der Eberesche.
Frühherbst
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Blüte der Herbstzeitlosen.
Reife der Holunderbeeren.
Spätherbst
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Ernte von Kartoffel.
Laubfärbung allgemein und im Speziellen Laubfärbung der Stieleiche
phänologischer Winter
Zeigerpflanze und Erkennungsmerkmal:
Laubfall der Stieleiche und der Zeder.
Es gibt noch weitere Pflanzen, anhand derer die phänologischen Jahreszeiten identifiziert werden können. Der Übersichtlichkeit halber belasse ich es hier bei der obigen Aufstellung.
Welchen Nutzen hat der phänologische Kalender?
Ein Beispiel: Es gibt die Gärtnerregel, dass der erste Rosenschnitt des Jahres zur Forsythienblüte erfolgt. Schneidet man früher riskiert man Erfrierungen an den Schnittstellen. Wartet man länger sind die Rosen evtl. schon so weit ausgetrieben, dass man unnötige Schäden riskiert.
Demnach ist es hilfreich die entsprechenden Zeigerpflanzen in seiner eigenen Umgebung im Auge zu behalten. Je näher am eigenen Garten diese Pflanzen beobachtet werden, desto genauer und zuverlässiger sind die „Vorhersagen“ für das eigene Mikroklima. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass kein Wetterbericht an die Genauigkeit der Zeigerpflanzen in meiner direkten Nähe heranreicht. So kann es sein, dass an der Südseite des Hauses bereits der Vorfrühling von den Schneeglöckchen eingeläutet wird, während auf der Nordseite des Hauses noch der phänologische Winter sein Zepter schwingt.
Durch das Gärtnern nach phänologischen Jahreszeiten reduzieren sich Ausfälle im Garten, wie zum Beispiel durch Schädlinge oder Hitze sowie Frost. Im Gegenzug dazu erhöhen sich Erträge im Garten.