Vogelfütterung bzw. Wildvogelfütterung ist grundsätzlich auf Balkon und im Garten erlaubt. Wer zu Miete wohnt muss sicherstellen, dass die Nachbarn durch die Fütterung nicht gestört werden. Auch eine freundliche Rückfrage beim Vermieter, ob dieser eine hygienische und artgerechte Fütterung erlaubt kann Ärger im Vorfeld verhindern.
Wer sich entschließt den gefiederten Gartenbewohnern und Balkonbesuchern mit Futter unter die Flügel zu greifen sollte dennoch einige Dinge beachten.
Was es alles im Zuge der Vogelgesundheit zu diesem Thema zu beachten gibt, sei bitte in entsprechender Literatur nachzulesen.
Ich werde mich hier mit den „Risiken“ befassen, die das Füttern von Vögeln für den Garten oder auch den Balkon bedeuten kann.
Wo kommt denn all das Unkraut her?
Beim Vogelfutter gibt es große Unterschiede. Manches wird in Reinform angeboten und enthält beispielsweise nur Erdnüsse oder Sonnenblumenkerne. Anderes Futter bietet eine Mischung aus unterschiedlichen Saaten. Oft sind in derlei Mischungen günstige Getreide und Saaten enthalten, die zu einem attraktiven Produktpreis führen und zu einem unschönen Nebeneffekt. Da viele dieser günstigen Saaten von den Gartenvögeln verschmäht werden entsteht ein ungewolltes Auflaufen von Saatgut. So kann man unter Vogelfutterhäuschen oft eine ungewöhnliche Dichte an gekeimtem Weizen und auch Hirse entdecken. Diese Getreide und andere Gräser müssen regelmäßig entfernt werden um die gewünschte Vegetation im Garten vor Bedrängung und Überwucherung zu schützen.
Schimmel im Garten
Meisenknödel und Fettfuttermischungen können durch Wind, Regen und auch Wärme aus ihren Halterungen bröseln oder schmelzen. Die Schicht, die sich dadurch unterhalb der Futterstation bildet hat eine hohe Tendenz Schimmelschichten zu bilden. Auch Futter das von den Vögeln nicht gefressen, aber zur Seite geworfen wird, kann zu solch unhygienischen Umständen führen.
Diese beiden Faktoren sind durch gewissenhafte Futterwahl und Hygiene an den Futterplätzen noch einfach zu korrigieren. Schwieriger wird es da bei den Nebenprodukten von Sonnenblumensamen.
Was ist denn mit meinen Pflanzen los?
Vielleicht ist schon aufgefallen, dass es zweierlei Möglichkeiten im Handel gibt, Vögel mit Sonnenblumen zu füttern. Die meist günstiger erscheinende Variante sind Sonnenblumensamen, die noch in ihrer Schale stecken. Die zweite, meist teurere Variante sind Sonnenblumenkerne ohne Schale. Bei der Überlegung, welche Produktvariante man selbst zur Vogelfütterung einsetzt hilft es zu wissen, dass alle Teile einer Sonnenblume Stoffe enthalten, die sich hemmend auf die Keimung und die Wurzelbildung anderer Pflanzen auswirken.
Besonders die Variante mit Sonnenblumenkernschalen erzeugt viel Sonnenblumenabfall, der meist konzentriert um der Futterstelle herum zurückbleibt. Wenn man nicht gerade an dieser Stelle möglichst wenig Pflanzen haben möchte, sollte man besser auf die geschälten Sonnenblumenkerne zurückgreifen, die deutlich weniger Abfall im Garten zurücklassen und somit auch deutlich weniger Einfluss auf die Gartenpflanzen ausüben. Noch intensiver können diese Effekte auf Balkon und allgemein in Pflanzgefäßen werden. Da in Pflanzgefäßen ein reduziertes Bodenleben vorherrscht, sind auch die natürlichen Abbauprozesse verringert und die Auswirkungen auf die Pflanzen sind intensiver als auf Pflanzen, die in einem offenen Boden leben. Auch umliegende Areale sind nicht vor den Auswirkungen der Sonnenblumenschalen sicher, da Ameisen diese aufsammeln und in ihren Bau transportieren. Dadurch kann sich so manch kränkliche Pflanze erklären lassen, die einfach keinen Grund für das gehemmte Verhalten erkennen lässt. Möglicherweise sind ihre Wurzeln durch die Abbaustoffe aus Sonnenblumenkernschalen beeinträchtigt.

Durch Einsatz von geschälten Sonnenblumenkernen lässt sich dieses Risiko deutlich reduzieren. Und rechnerisch haben die Vögel bei geschälten Kernen meist auch mehr vom Geld, da der Preis des Nettogewichts der geschälten Kerne deutlich unter dem von Sonnenblumenkernen mit Schale liegen kann.
Wer den Vögeln auf möglichst natürliche Weise zu einer zuverlässigen und artgerechten Futterversorgung helfen möchte kann versuchen einige Pflanzen, die eine gute Nahrungsquelle darstellen in den Garten oder auf den Balkon zu holen.
Allgemein kann man sagen, dass Gräser und Beerensträucher eine zuverlässige Wahl sind, um Wildvögeln eine Nahrungsquelle zu bieten.
Gräser als Vogelfutter
Gräser können blühen und was blühen kann, kann auch Früchte erzeugen. Bei Gräsern werden die Früchte Samen oder Getreide genannt. Um den Vögeln im Garten und auf dem Balkon Futter in Form von lokal gewachsenen Samen anbieten möchte, kann auf ein großes Sammelsurium an unterschiedlichsten Gräsern zurückgreifen. Es klingt zwar logisch, dass es sich dabei möglichst um heimische Gräser handeln sollte, aber auch die Samen von sogenannten Ziergräsern werden von den Vögeln als Futter angenommen. Dafür darf man aber die Gräser nicht vor dem Winter abschneiden.

Als überlegen gegenüber Streufutter erachte ich, dass die Samenstände von Gräsern im Winter eine besondere Form von Gartendekoration darstellen und obendrein in luftiger Höhe aufgehängt gut abtrocknen und somit weder keimen, noch am Boden zu schimmeln beginnen.
Sträucher und Gehölze als Vogelfutter
Will man sich Sträucher pflanzen, um den Vögeln im Winter Nahrung zu bieten, kann es lohnen, sich in einem gut sortierten Garten-Center oder noch besser in der Baumschule beraten zu lassen.
Vorweg kann ich aber sagen, dass heimische Wildsträucher auf der Liste der möglichen Vogelnährgehölze ganz weit oben stehen. Wer jetzt an die heimische Eberesche (bot. Sorbus aucuparia) denkt liegt durchaus richtig. Immerhin wird dieses Gehölz auch häufig als „Vogelbeere“ bezeichnet. Aber nicht jeder hat Platz für einen Baum dieser Wuchsgröße. Immerhin wollen diese Bäume 4-6 Meter Breite und 6-12 Meter Höhe erreichen und sind spätestens auf einem Balkon keine Option. Es gibt jedoch reichlich Auswahl, sowohl für großzügige Gartenanlagen mit viel freiem Platz, als auch für kleinere Balkone. Ein wenig Platz muss aber gegeben sein, wenn man den gewählten Pflanzen keinen unnötigen Stress und sich selbst dadurch unnötigen Pflegeaufwand zumuten möchte.
Rhamnus frangula „Fine Line“
Eines meiner liebsten Gehölze für eher beengte Gegebenheiten ist das Farnblättrige Pulverholz (bot. Rhamnus frangula „Fine Line“). Dieser ist durchaus anpassungsfähig und auch schnittverträglich, wodurch seine natürliche Endgröße von ca. 2,50 Metern auf etwa 1,50 Meter klein gehalten werden kann. Auch sein natürlicher Durchmesser von ca. 70 cm kann durch Schnitt auf ca. 40 cm klein gehalten werden. Das Farnblättrige Pulverholz, das auch Faulbaum genannt wird bietet einen attraktiven Jahresverlauf. Nach einem frischgrünen Blattaustrieb im Frühjahr blüht das Gehölz ca. Mai-Juni in einer Vielzahl sehr kleiner weißer Sternchen, die bei Bienen und anderen Insekten auf große Zustimmung stoßen. Aus den Blüten entwickeln sich kleine rote glänzende Beeren von der Größe eines großen Stecknadelkopfes. Im Herbst wechselt das sattgrüne Laub die Farbe zu einem strahlenden gelb, ehe es dann nach dem Laubfall ein interessant gemustertes Holz zeigt.

Aronia melanocarpa/prunifolia/arbutifolia
Egal welche Apfelbeere (bot. Aronia melanocarpa/prunifolia/arbutifolia) man sich aussucht, die Eigenschaften weichen hauptsächlich in der endgültigen Wuchsgröße voneinander ab. Weitere Abweichungen gibt es noch in der Intensität der Herbstfärbung und der Beerengröße. Ansonsten holt man sich mit der Apfelbeere eine für Mensch und Tier gesunde und optisch ansprechende Pflanze ins eigene Leben. Der Wuchs dieser Sträucher ist eher rundlich und kompakt. So erreichen einige Sorten einen Durchmesser von nur ca. 0,90 – 1,20 Meter (Aronia melanocarpa „Hugin“), andere Sorten können durchaus bis zu 2,50 Meter (Aronia prunifolia „Nero“) Durchmesser heranwachsen.
Es lohnt also vor dem Erwerb einer Aronia zu prüfen, wieviel Platz man zur Verfügung hat und auch zur Verfügung stellen will.

Schlehe, Stechpalme, Mahonie, Weißdorn, Kornelkirsche, Holunder, Kreuzdorn, Liguster, Felsenbirne, Zierquitte, Zierapfel… Die Liste der Gehölze mit Nährwert für Vögel ist lang und ebenso üppig ist das Spektrum an Eigenschaften in Größe und Aussehen ist die Auswahl. Auch in die Kategorie der Kletternden Pflanzen kann ein Blick lohnen, so bieten Waldrebe, wilder Wein, Wildrosen und Geissblatt ebenfalls Futter für Vögel und brauchen dafür nur eine Regenrinne oder Rankhilfe, an der sie platzsparend emporsteigen können.
Und bei wem der Platz gerade noch für einen sehr kleinen Strauch ausreicht, der kann auch gerne ein Johanniskraut zu sich holen, oder Stauden pflanzen, die ebenfalls eine gute Nahrungsquelle für Vögel sein können, wenn man sie nicht vor dem Winter schon abschneidet.
So entwickeln alle Stauden nach ihrer Blüte Früchte oder Samen. Auch hier gilt wieder, je heimischer die Pflanze, desto wahrscheinlicher dient sie als Nahrung für heimische Vögel. So hat sich zum Beispiel der Distelfink auf Distelsamen spezialisiert und freut sich, wenn er eine solche samt ihrer Samen findet.

Eine Überlegung, die man noch anstreben kann betrifft die Vogelarten, die man füttern möchte, so sind Körnerfresser dankbar für feste Samen, wie zum Beispiel Gräser sie bieten. Weichfutter- oder auch Insektenfresser finden im Winter ihre Nahrung in wilden Früchten, wie Zierapfel, Hagebutte oder eben Aronia.
Viel Freude beim natürlichen Füttern und beobachten, welche Vögel sich am „Naturbuffet“ einfinden.










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