Kahlfrost

Der Winter bricht an, mit Eis, mit Schnee, mit Kahlfrösten…?

Was es mit Eis und Schnee auf sich hat, ist sicherlich noch für jeden irgendwie vorstellbar. Gärtner und Gartenliteratur nennen im Zusammenhang mit dem Winter aber auch sehr häufig die Kahlfröste. Meiner beruflichen Erfahrung nach weichen hier die Vorstellungen, um was es sich bei Kahlfrösten handelt, von Person zu Person deutlich ab.

Um nicht erst falsche Assoziationen erzeugen, die man dann wieder aus dem Gedächtnis verbannt werden sollten und gehe ich lieber gleich zur korrekten Definition über.

Kahlfrost ist eine Frostperiode, während der kein Schnee liegt.

Klingt gut und enorm korrekt. Aber bedeutet das irgendwas? Ist halt so im Winter. Oder vielleicht doch nicht? Und was sollte man aus dieser Information ableiten?

Die fehlende Schneedecke bei anhaltenden Minustemperaturen hat zur Folge, dass der Boden dem Frost ohne Isolation ausgesetzt ist. Dies wiederum heißt, dass auch die Wurzeln und Rhizome von Pflanzen mehr Kälte ausgesetzt sind. Viele heimische Pflanzen können diesen Umstand noch gut ertragen. Bei den sogenannten Neophyten ist die Wahrscheinlichkeit zur Frosttoleranz schon deutlich geringer. Wenn eine solche Pflanze dann auch noch frisch gepflanzt wurde, wird es dann langsam schon kritisch. Endgegner für die Winterhärte einer solchen Pflanze ist dann noch ein ungünstiges Gießverhalten, das zu sehr flach liegenden Wurzeln führen kann. Das Ergebnis aus diesen Umständen ist Wurzelfrost, welchen Pflanzen sehr selten überleben.

Eine weitere negative Auswirkung der immer häufiger auftretenden Kahlfröste ist die sogenannte Frosttrocknis. Hier handelt es sich um frostbedingten Wassermangel und betrifft hauptsächlich wintergrüne und immergrüne Pflanzen. Dabei können die Pflanzen das im Boden gefrorene Wasser nicht aufnehmen. Durch das winterliche Laubkleid verdunsten die Pflanzen jedoch weiterhin Wasser, besonders an sonnigen Wintertagen.

Eine Schneedecke isoliert das Erdreich und reduziert die Einwirkung von Frösten auf den Boden und somit auf das Wurzelwerk der Pflanzen.

Was kann man gegen die Gefahren von Kahlfrost unternehmen?

Es ist eher unrealistisch sich aus den Eisklumpen aus der Gefriertruhe mit einem Schaber eine geschlossene Schneedecke zu erzeugen. Daher wird eine andere Möglichkeit benötigt um den Boden vor Kahlfrösten zu schützen.

Ein Blick in die Natur zeigt uns, wie es geht.

Auf Wiesen und Feldern in Hecken und Wäldern übernimmt die Natur das Abdecken des Bodens mit einfachen Mitteln. Das abgestorbene Pflanzenmaterial von Gräsern und Stauden isoliert die Erde genauso zuverlässig, wie das gefallene Laub unter Hecken und Bäumen.

Mulchen im Garten

Mulchen ist das Abdecken von Gartenboden mit organischem Material.

Wer in der warmen Zeit des Jahres mulcht, spart Wasser, da durch die Abdeckung mit organischem Material die Verdunstung aus dem Erdreich reduziert wird. Das klingt einleuchtend und ist einfach nachzuvollziehen und auch schnell ausprobiert.

Im Winter hat eine Mulchschicht den gleichen Effekt auf den Wasserhaushalt des Erdreiches, da auch die Wintersonne und winterliche Winde dem Boden Wasser entziehen, das besser dort bleiben soll, um für die Pflanzen zur Verfügung zu stehen. Zusätzlich zum wassersparenden Effekt hält die Mulchschicht im Winter den Frost vom Boden fern und verhindert, dass die Bodenfeuchtigkeit gefriert. Der rein isolierende Effekt wird bei Mulch mit organischer Masse noch zusätzlich durch die Wärme der organischen Zersetzung unterstützt. Die Zersetzung ist bei niedrigen Temperaturen zwar deutlich geringer, als im Sommer, aber auch eine geringe Zersetzung erzeugt Wärme, die dem Boden zusätzlich gut tut. Diese Zersetzung liefert gratis noch Nährstoffe für Bodenlebewesen und die Pflanzen. Welche Nährstoffe ist abhängig von der organischen Substanz, die zum Mulchen verwendet wird.

Der letzte relevante Aspekt an einer organischen Mulchdecke ist, dass die Dämmung auch starke Temperaturschwankungen abmildert. So sind Pflanzen mit einem gemulchten Wurzelraum weniger durch den Wechsel von frühlingshaften zu winterlichen Bodentemperaturen gestresst. Eine weniger gestresste Pflanze ist automatisch gesünder und bedarf im weiteren Jahresverlauf weniger Pflege, als eine Pflanze die den Winter gerade eben so überlebt hat.

Gemulcht werden kann quasi mit Allem.

Ja es gilt auch als Mulch, wenn man Zierkies im Beet flächig verteilt. Diese Art Mulch kann aber wenig gegen Kahlfröste und andere Winterprobleme im Garten ausrichten.

Daher ist Mulch als Winterschutz aus organischem Material. Klassisch traditionell verwendet man Rindenmulch. Ob Pinie oder andere Gehölze oder gar Holzhackschnitzel hängt von den Beetbewohnern ab und vom persönlichen Ästhetikempfinden des jeweiligen Gärtners.

Wer über Laub auf seinem Rasen klagt, kann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und das auf dem Rasen eher schädliche Laub direkt in Beete und unter Sträucher rechen. Der Rasen ist befreit und das Laub hilft den Boden vor Frosteinwirkungen zu schützen.

Wer noch weitere Materialien zum Mulchen sucht, wird eventuell in der eigenen Küche fündig. Bei der sogenannten Flächenkompostierung werden Garten- und Küchenabfälle zerkleinert, direkt in den Beeten verteilt.

Egal für welches organische Material man sich entscheidet, es ist wichtig, dass die Mulchschicht eine Schicht ist und nicht nur die Beetflächen leicht „bepudert“. Um effizient zu funktionieren soll eine Mulchschicht in etwa eine Auflagedicke von 7-15cm betragen.

Tipp: Bei Kübelpflanzen genügt es nicht, die Gefäßoberfläche mit Mulch zu bedecken. In diesem Fall ist es zusätzlich nötig, die Gefäße mit einem Winterschutz zu versehen. Hierfür eigenen sich sowohl Luftpolsterfolien, als auch Jute- und Vliesstoffe, die um das Gefäß gewickelt und befestigt werden. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass die Wasserabflusslöcher in den Gefäßen über den Winter nicht verstopfen und zufrieren können. Zum Beispiel indem man ein stabiles Brett unter das Gefäß legt. Styropor ist hier ungeeignet! Styropor ist weich und kann sich von unten in die Löcher drücken, und diese dadurch abdichten.



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Ein Kommentar zu „Kahlfrost“

  1. […] das noch aufzuschieben. Immerhin ist diese Schicht aus organischem Material ein guter Schutz vor Kahlfrösten. Außerdem geben diese Pflanzenteile bei ihrer Zersetzung Nährstoffe an den Boden ab. Das […]

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