Spätherbst

Noch ist er nicht ganz da, der Winter. Laut Phänologie beginnt der Winter zum vollständigen Laubfall von Stieleiche und Lärche.

Vor dem Winter steht aber noch der phänologische Spätherbst.

In meiner direkten Umgebung sind die Lärchen zwar herrlich gelb und goldbraun gefärbt, aber noch nahezu vollständig belaubt. Auch die Eichen und Lärchen der näheren Umgebung sind noch mit großen Teilen ihres Herbstlaubes bekleidet.

Das andere Erkennungsmerkmal des phänologischen Spätherbstes ist der Fruchtfall der Stieleiche. Dieser hat bei mir bereits stattgefunden.

Das ist eine gute Zeit um den Garten winterfest zu machen.

Aber was heißt es eigentlich einen Garten „winterfest“ zu machen?

Es geht darum Schäden durch die Auswirkungen des Winters im Garten zu vermeiden. Dabei ist es natürlich wichtig vorab zu wissen, welche Schäden der Winter überhaupt verursachen kann und wodurch diese Schäden ausgelöst werden. Naheliegend ist die winterliche Kälte als Schadensursache, aber auch die Wintersonne birgt Gefahrenpotential für den Garten. Weiter ist der Winter für erhöhte Niederschläge und auch heftige Winde bekannt, die ihre eigenen Gefahren für Gartenpflanzen bereithalten.

Mit diesen Faktoren im Hinterkopf, lohnt es sich, mit Papier und Stift bewaffnet, einen intensiven Rundgang im eigenen Garten oder auch auf dem Balkon zu starten. Dabei empfehle ich den gesamten Garten und Balkon abzulaufen, jeden Weg an jeder Kante und Fassung entlang, um Gebäude, Beete, Gartendeko, Zäune und Geländern herum. Auch in Gebäude und auf Gebäude, wie zum Beispiel die Gartenhütte lohnt es einen Blick zu werfen. Zuletzt haben auch die Lagerstätten der Gartenutensilien einen kritischen Blick verdient.

Auf dem Notizzettel landet alles, was noch vor dem phänologischen Winter zu erledigen ist.

Hier ein paar Beispiele:

  • Regenrinne reinigen
  • Rasenmäher reinigen
  • Wasserhahn aufdrehen, Wasser abstellen
  • Winterschutzvliese kaufen
  • Fenster im Winterquartier putzen
  • Leere Pflanzgefäße aufräumen, oder umdrehen
  • Die Immergrünen nochmal gießen
  • Schneebesen und Schneeschaufel prüfen und bereitstellen
  • Letztes Laub vom Rasen entfernen
  • Baumanbindungen prüfen und ggf. neu binden
  • Mulchdecke im Beet hinter dem Haus auffüllen

Tipp: Wer schon früher eine solche Liste angefertigt hat, kann sich an dieser orientieren und daraus eine Checkliste erstellen. Neu gefundene Aufgabenpunkte werden zur vorhandenen Checkliste ergänzt.

Wintergefahren für den Garten:

  • Die Wintersonne heizt besonders offenen Boden und dunkle Gehölze auf und sorgt so bei Sonnenuntergang für starke Temperaturschwankungen an den betroffenen Stellen. Das Erwärmen des Bodens stört den Biorhythmus der Pflanzen – diese erwachen durch das Erwärmen des Bodens aus der Winterruhe. Weiter können die Temperaturschwankungen an Gehölzen zu Spannungsrissen in der Rinde führen, besonders wenn die Pflanzen sehr dunkle Rinde haben. Um diese Wintergefahren zu reduzieren wird gemulcht und geweißelt.
  • Winterkälte lässt Wasser gefrieren, das sich dabei ausdehnt und so Gefäße und Wasserhähne sprengen kann. Um das zu vermeiden dreht man die Wasserhähne auf und lässt sie leerlaufen. Auch Regentonnen und andere Gefäße werden geleert und abgedeckt oder umgedreht. Besonders gefährdet vor Sprengung sind Pflanzgefäße und Behälter, die nach oben hin enger werden.
  • Laub in Regenrinnen von Haus, Gewächshaus und Gartenhütten kann den Ablauf von Niederschlägen behindern und durch überlaufende Regenrinnen zu großen Schäden an Gebäuden und Pflanzen unterhalb der Traufe führen. Auf dem Rasen kann Laub im Laufe des Winters zu Rasenschimmel führen. Entferntes Laub ist in Staudenbeeten und unter Bäumen und Sträuchern ein sehr gutes Mulchmaterial.
  • Kahlfröste! „Immergrün ist immer durstig“ – eine von mir oft bemühte Formulierung. Aber es ist wahr und wird leider sehr leicht vergessen. Bei Gärtnern ist jedoch längst bekannt, dass die wenigsten Pflanzen im Winter erfrieren, vielmehr verdursten Immergrüne immer häufiger im Winter. Auch weil die Niederschläge längst nicht mehr so üppig vom Himmel fallen, wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Zudem sorgen die vermehrten Kahlfröste aufgrund von Schneemangel für härtere Bedingungen in der kalten Jahreszeit. Falls die Erde bei den Wintergrünen und Immergrünen trocken ist, diese nochmal ordentlich Gießen.
  • Fruchtmumien sind am Gehölz zurückgebliebene Früchte. Was jetzt noch an Obst an den Bäumen hängt, muss weg. Diese Früchte sind Brutstätte für diverse Pflanzenkrankheiten, die sich im Folgejahr von dort aus im Gehölz ausbreiten. Das Entfernen der letzten Früchte ist also aktiver und präventiver Pflanzenschutz.
  • Winterwinde können kräftig an den Pflanzen rütteln. Deshalb alle Anbindungen prüfen und ggf. erneuern. Auch Kletterpflanzen profitieren von der ein oder anderen Zusatzstabilisierung. Viele Gräser profitieren davon, wenn sie den Winter zusammengebunden im eigenen warmen Laubkleid überdauern dürfen. Ein Stab neben oder mittig im Ziergras kann die Stabilität des Grases über den Winter zusätzlich erhöhen.
  • Lichtmangel kann die Winterernte im Salat- und Gemüsebeet beeinträchtigen. Auch im Winter kann im Gewächshaus und Frühbeet gegärtnert werden. Noch besser funktioniert es, wenn die Fenster und Scheiben frisch geputzt sind und mehr Licht ins Innere und somit zu den Pflanzen lassen.
  • Faulgasbildung im Gartenteich und Wasserelement. Gartenteiche sind empfindliche Ökosysteme, die eher zu viele, als zu wenige Nährstoffe als Problem haben. Zusätzlich erschwert die geringe Wasserzirkulation im Winter ein gesundes Milieu. Um den Nährstoffgehalt in Teich und Wasserelement möglichst gering zu halten, können jetzt noch die letzten abgestorbenen Pflanzenteile aus dem Wasser geholt werden. Das reduziert die Gefahr von Faulgasbildung.
  • Kälte wirkt sich auf Kübelpflanzen intensiver aus, als auf eingepflanzte Pflanzen. Pflanzen in Kübeln und Gefäßen sind pauschal gesagt nur halb so winterhart, als wären sie ins offene Erdreich gepflanzt. Daher sollten Kübelpflanzen über den Winter an einem geschützten Standort dicht zusammengerückt und mit Schutzvlies oder Luftpolsterfolie um die Gefäße herum zusätzlich geschützt werden. Nur die Gefäße, nicht die oberirdischen Pflanzen einwickeln!
  • Lichtmangel bei immergrünen Pflanzen. Thuja und Scheinzypressen mögen als Gartenpflanzen inzwischen einem angekratzten Ruf haben, dennoch haben auch sie Wintervorsorge verdient. Ein Griff ins Innere dieser Pflanzen fördert abgestorbenes Laub zu Tage, das sowohl zu mehr Schneelast für die Pflanze sorgen kann, als auch noch weniger Licht ins Innere dringen lässt. Dies beschleunigt eine Vergreisung. Daher lohnt ein beherzter Griff ins Innere der Pflanzen um die abgestorbenen, losen Pflanzenteile zu entnehmen und für Licht und Luft in der Pflanze zu sorgen.
Der Stab hilft dabei, dass das Gras nicht vom Wind umgeknickt wird.

Da der Winter eher die arbeitsarme Zeit des Gartenjahres ist, kann man sich jetzt um Arbeiten kümmern, die weniger vom Wetter getrieben sind, als die Pflanzenpflege.

Beispiele für solche eher weniger zeitkritischen Aufgaben:

Sind die Wege, Zäune, Rankhilfen, Beeteinfassungen sauber und stabil? Grünbeläge lassen sich jetzt gut mit mildem Essigwasser und einer Bürste entfernen. Zäune und Wege können sehr gut im Winter instand gesetzt werden, wenn die kostbare Gartenzeit nicht für Pflanzenpflege und andere Gartenarbeit in Anspruch genommen wird.

Sind die Scharniere von Türen und Fenstern an Gartenpforten, Gewächshäusern leichtläufig? Ein kurzer Sprüher mit WD40 wirkt Wunder und reduziert den Verschleiß an beweglichen Metallteilen im Garten. Auch der Briefkasten kann evtl. ein Tröpfchen dieses Öls gebrauchen. Mit Grafitspray lassen sich Schlüssellöcher wieder leichtläufiger bedienen.

Gartendeko und Gartenmöbel halten zwar üblicherweise unseren Wintern stand, wenn jedoch der Platz vorhanden ist, diese unter Dach zu stellen verlängert diese Maßnahme die Lebenszeit solcher Gegenstände.

Eine Sichtung des Gartenbedarfslagers offenbart, ob der Winter wirklich ohne Schrecken einbrechen kann.

Sind Schneebesen, Handfeger und Schneeschaufel einsatzbereit?

Sind ausreichend Winterschutzvliese auf Lager? Besonders für immergrüne und wintergrüne Pflanzen lohnt es ein Winterschutzvlies bereitliegen zu haben. Bei anhaltenden Frösten und dabei sonnigem Wetter verlieren diese Pflanzen oft mehr Wasser als sie aufnehmen können. Um diesen Effekt der Wintersonne zu reduzieren genügt es oft ein einfaches Winterschutzvlies anzubringen. Dieses hält sowohl einen Teil der Sonnenenergie, als auch den winterlichen Wind vom Laub ab.



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