Rainfarn, Wurmfarn, Bombelblume

Wurzelunkraut, oder nützliche Staude?

Der Rainfarn (Tanacetum vulgare) ist eine heimische Wildstaude, die in der Natur an vielen Stellen zu finden ist. Sie hat ein starkes Ausbreitungsvermögen und kann sich sowohl über Samen, als auch über Wurzelausläufer verbreiten.

„Rain“ ist ein Althochdeutsches Wort. Es bezeichnet im Grunde einen Grünstreifen zwischen zwei Äckern. Der Rainfarn, der gerne auf solchen Streifen wächst erhielt vermutlich daher seinen deutschen Namen, wobei der Ursprung des Wortteils „-farn“ möglicherweise in „Fahne“ liegt. Somit wäre der Rainfarn einstmals also als „Acker-Fahne“ bezeichnet worden. Wenn man bedenkt, dass diese Staude eine Höhe von 1,30m, manchmal sogar 1,60m erreichen kann und eine langanhaltende (Juni-September) und intensive gelbe Blüte hat, kann man die Herleitung durchaus nachvollziehen. Aber Schluss nun, mit geschichtlichem Sprachunterricht.

Der Rainfarn ist eine unkomplizierte Staude, die vor allem humose, nährstoffreiche Böden schätzt. Weiter kann er sonnig bis halbschattig auftreten, den vollen Schatten meidet er jedoch. Im Halbschatten ist der Wasserbedarf etwas geringer, als in der vollen Sonne, allerdings wird die Staude an vollsonnigen Standorten etwas größer und blüht dort auch üppiger.

Warum den Rainfarn in den Garten holen?

Der Rainfarn kann zu den Allelopathie-Pflanzen gezählt werden – in den meisten Listen taucht er vermutlich deshalb nicht auf, weil er einerseits giftig ist und andererseits nicht nur positive Wirkung auf seine Nachbarpflanzen hat.

Aber wenn man einen Apfelbaum hat, der lagerfähige Äpfel hervorbringt, kann es lohnen den Rainfarn in den eigenen Garten zu holen.

Ein wichtiger Hinweis noch vorweg:

Rainfarn enthält Thujon – Thujon ist giftig!

Somit muss sichergestellt werden, dass die Pflanze nicht versehentlich oder auch absichtlich verzehrt wird! Bereits der Verzehr kleinerer Mengen dieser Pflanze kann zu Vergiftungserscheinungen und im Extremfall sogar zum Tod führen. Auch kann das Thujon in der Pflanze bei Hautkontakt Reizungen verursachen – besonders wer auch bei Lebensbäumen (Thuja) zu Reaktionen neigt, sollte den Rainfarn mit Bedacht behandeln. Handschuhe genügen aber normalerweise völlig, um sich zuverlässig vor unerwünschten Reaktionen zu bewahren.

Der Giftstoff Thujon und weitere Inhaltsstoffe der Pflanze können aber auch nützlich sein.

Was kann Rainfarn noch, außer giftig sein?

  • Eine Studie ergab, dass die Mischkultur von Rainfarn mit Kartoffeln, die Kartoffelkäfer-Population um 60 bis 100 Prozent verringerte.
  • Rainfarn kann Stechmücken im Umfeld der Staude fernhält. Selbst als Trocken-Blumenstrauß kann man diese Wirkung noch beobachten.
  • Rainfarn-Sud, als Spritzmittel eingesetzt, kann ebenfalls Schädlinge wie Milben, Läuse oder Erdflöhe und weitere Insekten vertreiben.
  • Rainfarn-Sud hat fungizide Wirkung – hilft also gegen Pilzkrankheiten an Pflanzen.
  • Von medizinischer Nutzung des Rainfarn ist dringend abzuraten, auch wenn der Name Wurmfarn auf seine volksmedizinische Vergangenheit hinweist!
  • Als Trockenblumen-Strauß hält er Stechmücken auf Distanz

Meine Bitte: Rainfarn-Sud nicht verwenden.

Auch wenn die Rainfarn-Sud ein biologisches Pflanzenschutzmittel darstellt und hin und wieder in einem Atemzug mit Brennnessel- und Ackerschachtelhalm-Sud genannt wird, basiert dieser biologische Pflanzenschutz auf einem starken Nervengift, das alle Lebewesen schädigen kann. Somit schadet der Rainfarn-Sud nicht nur der ungeliebten Blattlaus, sondern auch dem nützlichen Marienkäfer, der hilfreichen Florfliege oder dem harmlosen Schmetterling gleichermaßen. Im Gemüsebeet, für Kräuter und Salate sowie bei Obst muss man auch bedenken, dass dieses Nervengift einige Zeit auf und in der Pflanze verweilt und somit die Gefahr birgt, dass man sich auf diese Weise indirekt selbst vergiftet.

Anders verhält es sich da bei Mischkultur. Wenn der Rainfarn in direkter Umgebung zum Gemüse-Beet etc. wächst, können die Ätherischen Öle in der Luft ebenfalls eine insektizide Wirkung entfalten. Die indirekte Vergiftung über die Ernte ist dann keine Gefahr mehr.

Die Blätter des Rainfarn können die Haltbarkeit von Lageräpfeln verlängern.

Um die Apfelernte mit Hilfe von Rainfarn haltbarer zu machen, bedeckt man den Boden des Lagerbehälters (am besten geeignet sind Obstkisten, aus Holz mit guter Luftzirkulation) mit einer dünnen Schicht Rainfarn-Laub. Dann werden die Äpfel mit dem Stiel nach unten so auf der Farnschicht ausgelegt, dass die Äpfel sich nicht gegenseitig berühren. Noch eine Schicht Rainfarn-Laub auf die Äpfel legen – fertig. Die ätherischen Öle des Rainfarn haben sowohl eine insektizide, als auch eine fungizide Wirkung, was sich positiv auf die Lageräpfel auswirkt.

Sofern es sich nicht um geschützte Gebiete oder geschützte Pflanzen handelt, ist es erlaubt Kräuter und Wildblumen in kleinen Mengen aus der Natur zu entnehmen.

Wenn ich aber alljährlich meine Apfelernte damit einlagern möchte, ist es sinnvoll die Wildbestände zu schonen und sich die entsprechende Pflanze im eigenen Garten anzusiedeln.

Den Rainfarn nach Hause holen

Es ist absolut nicht nötig den Rainfarn aus der Natur zu entnehmen. Rainfarn kann unter dem Namen „Wurmfarn“, „Rainfarn“ oder botanisch „Tanacetum vulgare“ im Fachhandel erworben werden. Da es sich um eine Wildstaude handelt ist der Erwerb ein geringer finanzieller Aufwand.

Um den Rainfarn im eigenen Garten im Zaum zu halten empfiehlt es sich ihn mit einer Wurzelsperre einzupflanzen. Ohne Wurzelsperre sollte man ihm eine großzügige Ausdehnungsfläche gewähren. Die Kübelhaltung kann eine Überlegung wert sein. Da die positiven Auswirkungen des Rainfarn über die Luft passieren, kann er im Kübel in den hinteren Reihen des Beetes oder auch auf der Terrasse wirken und dabei sicher im Kübel eingesperrt sein.

Auch kann der Rainfarn gut am Rande des Wurzelbereichs des Apfelbaumes angesiedelt werden. Da kann er dann bereits vor der Nutzung als Lagerhilfe seine unterdrückende Wirkung auf den „Apfelwickler“ entfalten.



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