Gemäß meiner Interpretation von „Handzahm Garten“ gehört Beobachten zu den wichtigsten Hilfsmitteln auf dem Weg zu einem gesunden und vitalen Garten.

Was es im Fall von Rasen zu beobachten geben kann:
Woran kann ich erkennen, dass mein Rasen durstig ist?
Wie viel Wasser in welchen Zeitabständen ein Rasen benötigt ist unmöglich exakt oder auch pauschal auszudrücken. Faktoren, wie Wind, Sonne, Boden, Bewuchsdichte u.a. haben Einfluss auf den Wasserbedarf jeder Pflanze.
Es gibt mehrere Methoden um den Wasserbedarf bei Rasen zu prüfen:
Der klassische Fingertest
Der Finger wird zwischen 7-10cm tief in die Erde des Rasens gesteckt. Fühlt sich der gesamte Bereich trocken an und nur an der Fingerspitze ist noch Feuchtigkeit zu erspüren, ist ein sehr guter Zeitpunkt um den Rasen zu Gießen
Nachteil: Der Fingertest strengt auf Dauer den Finger und den Fingernagel an und verursacht wiederholt kleine Löcher im Rasen, die jedes Mal wieder gut geschlossen werden müssen.
Der Spatentest
Mit dem Spaten wird spatentief (d.h. das Spatenblatt einmal vollständig in den Boden stechen) in den Boden gestochen. Dann wird der Spaten etwas vor- und zurückbewegt. Mit einem Blick, oder Griff in die entstandene Spalte kann man erkennen wie weit der Boden von oben her abgetrocknet ist. Sind die oberen 7-10cm trocken, ist es Zeit zu Gießen.
Nachteil: Der Spatentest verursacht noch tiefere Spalten im Boden, als der Fingertest, die jedes Mal nach dem Test wieder geschlossen werden müssen. Beides stört am jeweiligen „Tatort“ das Bodenleben und die Wurzeln des Rasens.
Der Tritt-Test oder Schritt-Test
Der Tritttest ermöglicht es den Wasserhaushalt des Rasens zu bewerten, ohne den Boden und die Wurzeln stören zu müssen. Einfach an mehreren Stellen auf den Rasen treten. Dabei nicht extra fest auftreten oder gar stampfen. Einfach eine Runde über den Rasen und dabei auch die unterschiedlichen Bereiche berücksichtigen. Im Schatten ist Wasserbedarf oft anders als in der Sonne. Unter Sträuchern oder neben Bäumen trifft das ebenfalls zu.
Wenn man die Runde gelaufen ist wartet man 15 Minuten. Hat sich der Rasen wieder aufgerichtet, hat er noch genug Wasser zur Verfügung. Dann sollte lieber am nächsten Tag nochmals kontrolliert werden. Mit der Zeit kennt man seinen Rasen dann auch, sodass die tägliche Begehung keine Pflicht mehr ist – aber Vergnügen bleiben darf.
Hat der Rasen nach der Wartezeit von 15 Minuten noch keine Haltung angenommen ist das ein Zeichen dafür, dass er durstet und es ist Zeit zu Gießen.
Nachteil: Der Tritt-Test oder Schritt-Test benötigt mehr Zeit für die Auswertung.
Vorteil: Der Tritt-Test/Schritt-Test schont den Boden und die Wurzeln des Rasens und man muss keine Löcher wieder zu bekommen.
Besser selten richtig viel Gießen, als in kurzen Abständen zu berieseln.
Beim Rasengießen wird oft weniger Wasser ausgebracht, als der Rasen braucht um wirklich rundum gesund gedeihen zu können.
Eine Faustregel besagt:
15-25 Liter pro Quadratmeter
Das klingt nach einer Menge Wasser, ist es aber eigentlich gar nicht.
Die Faustregel, die zur ersten dazugehört, aber nicht immer dazugesagt wird:
Besser 1 Mal pro Woche viel, statt täglich wenig Gießen!
Um zu ermitteln wie lange das Gießen benötigt um diese Menge auszubringen kann man es sich beim Rasen einfach machen. Sofern man einen Rasensprenger verwendet. Vor dem Sprengen wird ein einfacher Regenmesser mitten im Rasen platziert. Wenn dieser einen Füllstand von 15-25mm oder ml erreicht hat, hat man sein Ziel erreicht und der Rasen wurde ausreichend gewässert. Wer mit dem Schlauch gießt füllt vorab einen 10-Liter-Behälter und stoppt dabei die Zeit (mit einer Uhr oder durch zählen). Das Ergebnis mal 2 oder 2,5 ergibt die Zeit, die pro Quadratmeter mit der gleichen Brause und dem gleichen Schlauch gegossen werden muss. Wer mit der Gießkanne den Rasen gießt… „Gönne dir doch bitte selbst den Luxus eines Schlauches.“ Wessen Wasserhähne keinen Anschluss für den konventionellen Wasserschlauch bieten, der kann im Baumarkt oder bei Gardena passende Adapter finden.
Vorsicht:
Wurde der Rasen bisher in zu kurzen Abständen gewässert muss die Rasen-Fläche erst auf die neuen Wasserrationen umtrainiert werden. Das kann einige Wochen in Anspruch nehmen und muss durch langsames umstellen passieren.
Umtrainiert werden muss der Rasen deshalb, weil dieser durch die konstanten kleinen Wassergaben aller Wahrscheinlichkeit nach einen sehr kurzen Wurzelbart also keine tiefreichenden Wurzeln entwickelt hat. Rasen und auch andere Pflanzen haben dieses Verhalten in der Wurzelbildung. Um ihn nicht mit dem neuen Gießverhalten zu überfordern muss er systematisch dazu erzogen werden, dass er sein Wasser in Zukunft tiefer zu suchen hat.
Die Umstellung auf gesundes Gießen:
Dabei wird zunächst ein Tag länger als üblich mit dem nächsten Gießen gewartet. Sobald der Rasen „Durst“ verspürt wird er versuchen mit seinen Wurzeln weiter entfernte Wasservorräte im Erdreich zu finden. Wenn dieser Rhythmus einige Male erfolgreich durchgeführt wurde, kann ein weiterer Tag an die Gießpause angeknüpft werden. Die Gießpause wird so lange erweitert bis nur noch einmal Gießen pro Woche vom Rasen gefordert wird.
Vorteil von Rasen, der selten aber tiefgründig gegossen wird
Diese Rasengräser haben weiter verzweigte, feinere und tiefer reichende Wurzelsysteme. Dadurch können sie auf größere Wasservorkommen im Boden zugreifen. Neben den größeren Wasservorräten im Boden finden die Pflanzen durch das ausgeprägtere Wurzelwerk auch noch eine größere Vielfalt an Nährstoffen und erlangen dadurch bessere Gesamtgesundheit.
Wie man beim Gießen Fehler vermeiden kann steht hier:

Wer sich die Schritte beim Tritt-Test oder Schritt-Test sparen will kann auch die Fahrspuren des Rasen-Mähroboters im Blick behalten. Auch diese sollten nach 15 Minuten nicht mehr erkennbar sein.

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