Bokashi – ‚Herbst-Spezial‘

Gärtnern findet naturgemäß im Hier und Jetzt statt. Dennoch weiß der clevere Gärtner den Blick regelmäßig Richtung Zukunft zu richten.

Einer dieser Zukunftsblicke richtet sich dabei auf die nächste Jahreszeit.

Wer seinen Pflanzen vor dem kommenden Winter noch gesundheitlich unter die Äste greifen möchte, tut gut daran, jetzt schon an den passenden Dünger für diese Saison zu denken. Besonders, wenn dieser Dünger aus eigener Herstellung entstehen soll.

Auch zu beachten ist, dass der Dünger ja noch vor dem Winter von den Pflanzen aufgenommen und verarbeitet werden muss. Im Winter ist es tatsächlich zu spät Vorsorge zu betreiben. Daraus ergibt sich, dass mit Ende des Sommers (die Temperaturen zeigen einen konstanten Abwärtstrend) der Dünger ausgebracht werden muss, dessen Wirkung im Winter stattfinden soll. Beginnen die Bäume und Sträucher bereits das Laub abzuwerfen ist es definitiv zu spät für Wintervorsorge! Dünger der dann noch ausgebracht wird kann höchsten im nächsten Frühjahr von den Pflanzen aufgenommen werden.

Im Handel findet man für vielerlei Zwecke Herbstdünger. Diese Herbstdünger unterscheiden sich von Volldüngern weniger in der Nährstoffzusammenstellung, als vielmehr in den Mengenverhältnissen der Nährstoffe zueinander. So findet man häufig bei Vergleich unterschiedlicher Dünger des selben Herstellers einen erhöhten Anteil an Kalium und Magnesium, dafür aber einen reduzierten Gehalt an Stickstoff in den Herbstdüngern.

Das rührt daher, dass Stickstoff im Frühjahr und Sommer dafür sorgt, dass die Pflanze zügig und schön grün wächst. Aber in Vorbereitung auf den Winter ist es gesünder für die Pflanzen wenn sie zur Ruhe kommen. Daher wird hier der Stickstoffanteil reduziert. Das Mehr an Kalium, Magnesium und anderen Mikronährstoffen hilft der Pflanze zusätzlich das neu gebildete Holz des Jahres zu stabilisieren. Besonders Kalium wird zugeschrieben für hohe Zellstabilität bei Pflanzen zuständig zu sein.

Aber nicht nur der Handel kann „Spezial-Dünger“. Auch die eigene Dünger-Herstellung kann den Dünger gezielt auf dessen Auswirkung auf die Pflanzen anpassen.

Man muss dann nur entsprechend mehr organisches Material in den Bokashi-Eimer füllen, das die benötigten Nährstoffe enthält.

Der Weg zur gezielten Eimer-Füllung führt über Recherche. Leider gibt es noch keine umfangreiche Zusammenfassung über die Inhaltsstoffe von Küchen- und Gartenabfällen. Aber zumindest einiges kann man in der Literatur finden. Manchmal sogar über Kosmetik-Magazine, wenn eine neue Gesichtsmaske aus *Was auch immer* wegen der hohen Konzentration an *Irgendwas* gepriesen wird, werde ich schnell hellhörig.

Oder Kombinationen von Wissen:

  • Schwefel im Garten reduziert Pilzkrankheiten.
  • Lauch-Gewächse (bot. Allium) enthalten Schwefel.

Diese beiden Informationen sind mit Jahren Abstand zu mir vorgedrungen.

Aber seitdem kommt besten Gewissens in jeden Bokashi-Eimer der Abfall von Zwiebel, Lauch, Rettich und Radieschen – die enthalten nämlich auch Schwefel. Und fertig ist der „Spezial-Zusatz“ gegen Pilzinfektionen im Garten.

Auch Ernährungsliteratur hat schon weitergeholfen. Teilweise mit erstaunlich genauen Angaben von Nährstoffgehalten.

Und ein paar Pauschalaussagen gibt es auch noch:

Es ist logisch, dass Pflanzenzeile auch die Nährstoffe enthalten, welche die Pflanze für den Aufbau eben dieser Teile benötigt.

Phosphor (P): Der von Pflanzen hauptsächlich zur Bildung von Wurzeln und Blüten eingesetzt wird. Aus dieser Logik heraus habe ich vor Jahren das „Blüten-Bokashi-Experiment“ gestartet. Ich habe einen ganzen Bokashi-Eimer mit herabgefallenen Blüten der umliegenden Gärten gefüllt. Einer meiner Sträucher der jahrelang keine Blüten zeigte, explodierte bereits wenige Tage nach der ersten Gabe des „Blüten-Bokashi-Saftes“ in einem Meer aus Magenta und Gelb.

Stickstoff (N): ist zwar an jedem Prozess des Pflanzenwachstums beteiligt, aber besonders im Chlorophyll, also dem Blattgrün vorhanden. Dass grünes Pflanzenmaterial somit einen guten Frühjahrs-Dünger ergibt scheint auch hier der logische Schluss. Denn im Frühjahr möchte ich meine Pflanze ja zu prächtigem Wuchs anspornen. Und das Plus an Stickstoff in den neu entstehenden Blättern hilft der Pflanze noch dazu die Sonnenenergie zur Photosynthese zu nutzen.

Kalium (K): in besonders hoher Konzentration tritt Kalium in Zitrusfrüchten (medizinisches Fachwissen für Blutdruckleiden) und in Bananen auf. Die Schalen dieser Früchte können dem Bokashi-Dünger die Extraportion stärkendes Kalium bescheren, um einen guten Herbst-Dünger für Balkon, Garten und Zimmer zu ergeben.

Nährstoffbombe Samen und Früchte: wenn man über den Zweck von Früchten in der Natur nachdenkt erlangt man irgendwann die Erkenntnis, dass in Früchten oder auch Samen echt viel drin steckt. Immerhin bietet der Samen und auch die Frucht um den Samen alles, was die neue Generation Pflanze für seinen Start in die Welt braucht. Im Komposthaufen oder auch bei der Flächenkompostierung haben diese Samen und Früchte aber nichts verloren. Sie stören, da es zur Keimung kommen wird und im schlimmsten Fall der gesamte Kompost oder die gesamte Fläche saniert werden muss.

Bei Bokashi-Herstellung verhält sich das anders. Hier dürfen Samen und ganze Früchte in den Eimer gegeben werden. Zwar kann man in der fertigen Bokashi-Masse deutlich sehen, dass viele Samen eine Keimung schaffen, aber das saure, anaerobe Milieu im Bokashi-Prozess tötet den Keimling kurz nach dessen Keimung ab. Zurückbleibt eine Miniatur-Nährstoffbombe.

Die altbewährten Jauche-Pflanzen:Beinwell„, „Brennnessel“ und „Ackerschachtelhalm“ sind ebenfalls für ihr gutes N-P-K-Verhältnis bekannt und dürfen jederzeit in jede Art von Bokashi-Zubereitung integriert werden. Diese Pflanzen werden seit Generationen in der Flur gesammelt und als Mulch, im Kompost oder zu Jauchen vergoren den Kulturpflanzen zur Stärkung verabreicht. Auch im Bokashi-Eimer sollten diese Pflanzen einen regelmäßigen Anteil einnehmen.

zerkleinerter Ackerschachtelhalm
zerkleinerte Brennnessel



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