Wer schon einmal versucht hat eine Zimmerpflanze mit einer tüchtigen Portion des eigenen Kompost zu beglücken konnte vielleicht feststellen, dass die Pflanze danach zu Schwächeln begann, oder eventuell sogar einging.
Hintergrund dieser Beobachtung war dann unter aller Wahrscheinlichkeit ein Nährstoffüberschuss, der für die Pflanze einfach zu hohe Ausmaße hatte.
Bei Zimmerpflanzen ist es besonders wichtig zu beachten, dass die meisten Gattungen aus sehr nährstoffarmen Bodenverhältnissen stammen. Bilder von Regenwäldern erscheinen so üppig und lebendig, dass der Trugschluss nahe liegt hier muss es von Nährstoffen nur so schwimmen.

Aber weit gefehlt.
Gerade der nährstoffarme Tropen- und Subtropenboden sorgt für die Fülle und Vielfalt an Pflanzen. Das entspricht dem Phänomen, das wir hierzulande von mageren Wildblumenwiesen kennen. Nur eben alles um ein bisschen anders und um Vieles größer.
Aber niedriger Nährstoffgehalt heißt nicht, dass es keine Vielfalt an Nährstoffen gibt. So sind die Böden auf denen unsere Zimmerpflanzen ursprünglich entstanden meist reich an Mineralien, dafür aber arm an humosen Bestandteilen.
Wie viel „Hunger“ haben eigentlich Zimmerpflanzen?
Zimmerpflanzen sind sehr zurückhaltend zu düngen und auch nur in der Zeit, in der sie Wachstum zeigen. Wann die Pflanze wächst erkennt man gut daran, wenn sich über die Pflanze verteilt neue Blätter und Verzweigungen bilden. Bei den meisten Zimmerpflanzen entspricht das etwa der Zeit von Mai bis September. Dieses Zeitfenster kann je nach Pflanze, Standort und Beleuchtung im Raum aber auch abweichen.
Deshalb nicht auf den Kalender verlassen, lieber auf die Pflanze reagieren.
Nährstoffbombe Bokashi-Saft
Bokashi-Saft enthält eine sehr hohe Nährstoffdichte. Daher ist bei der Verwendung für Zimmerpflanzen besondere Achtsamkeit erforderlich.
Diese Achtsamkeit ist aber bereits erfüllt, wenn der Bokashi-Saft sehr stark verdünnt eingesetzt wird. Während man im Garten mit einer Verdünnung von 10ml Bokashi-Saft auf 10Liter Wasser für Schwachzehrer startet und bei Bedarf die Dosis erhöht, stellt diese Verdünnung bereits das obere Limit für Zimmerpflanzen dar.
Da kann es durchaus passieren, dass man einen Teelöffel Bokashi-Saft mit 10Liter Wasser verrührt und die Pflanze ist damit für 4 Wochen versorgt und glücklich.

Das verwendete Substrat.
Neben der gebotenen Vorsicht im Umgang mit der Dosierung von Bokashi-Saft gibt es noch eine Zugangsvoraussetzung für die Nutzung von Bokashi-Saft im Zimmergarten.
Das Substrat, in dem die Pflanze wurzelt hat maßgeblichen Einfluss auf die Einsetzbarkeit von Bokashi-Saft. Während man draußen generell von Erde oder Erdgemischen als Substrat ausgeht, werden drinnen viele Pflanzen rein mineralisch gehalten.
Zimmerpflanzen in mineralischen Substraten (Blähton, Lavagestein, Hydroponic etc.)
Wer seine Zimmerpflanze in rein mineralischen Substraten kultiviert sollte von der Verwendung von Bokashi-Saft als Dünger Abstand nehmen.
Persönliche Erfahrung hat mir aufgezeigt, dass dies zu keinen guten Ergebnis führt. Die im Bokashi-Saft enthaltenen Mikroorganismen sind auf organische Substanz ebenso angewiesen, wie auf einen mineralischen Anteil in der Erde. Wenn jedoch keine Erde (organische Substanz) vorhanden ist, sterben die Mikroorganismen ab, und es bildet sich im schlimmsten Fall Gestank und Fäulnis im Pflanzgefäß.
Zimmerpflanzen in Erde oder Erde-Mineral-Gemisch
Wurzelt die Zimmerpflanze in Erde oder einem Erde-Mineral-Gemisch kann Bokashi-Saft mit der oben beschriebenen Vorsicht zum Düngen verwendet werden. Die Mikroorganismen können im organischen Anteil des Substrates fortbestehen und so sogar für ein gesundes Milieu im Pflanzgefäß sorgen. Je höher der Anteil an Erde im Pflanzgefäß ist, desto besser wirkt der Bokashi-Saft.
Zimmerpflanzen ohne Substrat (zum Beispiel in der Vase)
Manchmal sieht man Pflanzen nur im Wasser leben. Die zu Silvester gerne angebotenen Glücksbambus (botanisch: „Dracaena braunii syn. sanderiana“) zum Beispiel werden oft nur in die Vase gestellt und dürfen da auch für immer bleiben. Natürlich benötigen auch Pflanzen in dieser Haltungsform Nährstoffe. Auch in diesem Fall kann Bokashi-Saft genutzt werden – in der gleichen, niedrigen Verdünnung wie oben beschrieben: maximal 10ml Bokashi-Saft auf 10 Liter Wasser.
Zu Beachten ist in dieser Haltungsform, dass 2-3 Tage nach der Gabe von Bokashi-Saft das Wasser im Behälter ausgetauscht wird. Dadurch verhindert man, dass ein Nährstoffungleichgewicht im Wasser entsteht.
Diese Methode gilt auch für Schnittblumen, die Dank der leicht zugänglichen Nährstoffe aus dem Bokashi-Saft länger frisch bleiben, als in reinem Wasser.
Spezial-Bokashi für Zimmerpflanzen
Zimmerpflanzen haben spezielle Bedürfnisse an ihre Nährstoffe. Natürlich kann man Zimmerpflanzen mit dem Saft aus einem Küchen-Bokashi düngen. Wer es gerne spezieller mag und den entsprechenden Bedarf an Bokashi-Saft für seine Zimmerpflanzen hat, kann die Nährstoffzusammensetzung für seine Zimmerpflanzen anpassen.
Eine gründliche Recherche über die Bedürfnisse der jeweiligen Zimmerpflanze ist vorab jedoch unerlässlich. Du darfst mich dazu auch gerne direkt ansprechen, wenn Du Hilfe möchtest.
Eine allgemeingültige Empfehlung kann ich aber aussprechen:
Zimmerpflanzen benötigen generell Kalium und Phosphor. Eine Extra-Portion Stickstoff würde hingegen die Anfälligkeiten für Schädlinge und Heizungsluft erhöhen Das möchte man natürlich vermeiden.
Kalium und Phosphor dient der Pflanzenkräftigung und ist zum Beispiel in Bananenschalen enthalten. Aber auch Beinwell-Laub bietet diese Stoffe in nennenswerter Menge.
Außerdem dient es der Zimmerpflanzengesundheit, wenn während der Bokashi-Herstellung bereits „Urgesteinsmehl“ oder „Bodenaktivator“ verwendet wird. Das bedient das große Verlangen der Zimmerpflanzen nach Mineralien.
Schnittabfälle von Zimmerpflanzen kann ich als Ausgangsstoff für Bokashi nicht empfehlen!
Viele unserer Zimmerpflanzen nehmen aus der Luft schädliche Stoffe auf.
Darunter fallen Ausdünstungen aus Holzschutzmitteln der Möbelherstellung, Weichmacher aus Kunststoffprodukten oder Stoffe die durch Elektrogeräte an die Luft abgegeben werden.

Diese von den Pflanzen gesammelten Schadstoffe sollten generell über den Restmüll entsorgt werden.
Ein weiteres Argument gegen die Nutzung von Zimmerpflanzenmaterial im Bokashi ist: Das Material von Zimmerpflanzen zersetzt sich anders als das heimischer Pflanzen. Ich habe noch keine verlässliche Quelle gefunden, die bezüglich Reifezeit und Qualität von „Zimmerpflanzenmaterial-Bokashi“ belastbare Aussagen liefert.
Der Bokashi-Feststoff
Der bei der Bokashi-Herstellung entstehende Feststoff ist selbst im „vererdeten“ Zustand sehr Nährstoffreich. Das heißt, dass es nicht sinnvoll ist über dessen Verwendung bei Zimmerpflanzen nachzudenken.
Zieht man weiter in Betracht, dass Zimmerpflanzen aus den Tropen und Subtropen entstammen und sich auf ein Leben mit wenig Humus um die Wurzeln spezialisiert haben, dann wird klar, dass die humuslastige Erde, die aus dem Bokashi-Feststoff entsteht, nicht für Zimmerpflanzen geeignet ist.
Der Bokashi-Feststoff sollte nur im Garten und auf Balkon und Terrasse eingesetzt werden.
Mehr dazu folgt bald in einem gesonderten Beitrag.

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