Gesundes Fastfood für Pflanzen und Boden.
In meinem Beitrag „Bokashi – Herstellung“ bin ich auf die Verfahrensweise eingegangen, wie man sich selbst einfach und unkompliziert Bokashi und Bokashi-Saft herstellt.
Nun möchte ich mich damit befassen wie man den Bokashi-Saft im Garten und auf dem Balkon einsetzt.
Bokashi-Herstellung kurz zusammengefasst:
In einem speziellen Eimer wird mithilfe von effektiven Mikroorganismen und Küchen- sowie Gartenabfällen Dünger hergestellt. Dabei entstehen zwei Düngerkomponenten
- Flüssigdünger, auch Bokashi-Saft genannt
- Feststoff-Dünger, das sogenannte Bokashi-Ferment oder auch einfach nur Bokashi
Die Inhaltsstoffe und die Qualität der Düngerstoffe hängen davon ab, welche organischen Materialien man im Eimer fermentiert. So kann der Bokashi nur dann „Bio“ sein, wenn auch nur „Bio“ im Eimer landet. Und würde man nur alte Pappe im Eimer fermentieren, wäre die Vielfalt an Nährstoffen deutlich begrenzt im Vergleich zu einer Eimerfüllung aus unterschiedlichsten Obst- Gemüse- und Kräuterabfällen.
Wie man sich für einen bestimmten Einsatzzweck (zum Beispiel Herbstdünger, Blühpflanzendünger) zielgerichtet Bokashi herstellt werde ich in einem weiteren Beitrag behandeln.
In diesem Beitrag setze ich einen bunt gemischten Eimerinhalt voraus, der neben Gemüseresten, auch Stiele von Kräutern, welke Blüten und Rückschnitt von Stauden sowie Obstreste inkl. Bananenschale und vieles mehr enthält. In der Literatur wird diese Zusammensetzung häufig „Küchen-Bokashi“ betitelt.
Das bedeutet, dass der Bokashi-Saft für alle Pflanzen im Garten und auf dem Balkon verwendet werden kann. Quasi eine kleine Allzweckwaffe.
Gewinnung von Bokashi-Saft
Während der Reifung des Bokashi wird regelmäßig der Bokashi-Saft über den Zapfhahn entnommen…

… und der Teil, der nicht sofort verwendet wird, in einem geeigneten Gefäß aufbewahrt.
Als passendes Gefäß dienen Schraubgefäße, die möglichst luftdicht und lichtundurchlässig sind. Wenn man Gefäße nach ihrem ursprünglichen Gebrauch umfunktioniert ist es wichtig, dass man diese eindeutig beschriftet und vor Wiedergebrauch gründlich reinigt.
Die eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass Bokashi-Saft in solchen Flaschen und möglichst kühl im Keller gelagert über ein Jahr lang verwendbar ist.
Um zu verhindern, dass bei der Entnahme unnötig viel Luft in den Eimer gelangt einfach während der Saft fließt mit der Hand auf den Deckel drücken. Aber vorsichtig drücken, nicht dass der Auffangbecher sofort überläuft.
Beim Umgang mit Bokashi-Saft ist gesunde Vernunft geboten. Der Bokashi-Saft ist sehr sauer und kann pur bei Hautkontakt zu Reizung bis hin zu Verätzungen führen. Zur Sicherheit mit Gummihandschuhen arbeiten. In verdünnt ist der Effekt auf die Haut deutlich geringer. Am besten zu vergleichen mit einem Salatdressing aus Essig.
Warum verwende ich Bokashi-Saft für meine Pflanzen?
Flüssigdünger sind generell schnell für Pflanzen verfügbar. Auch Bokashi-Saft bringt diese Eigenschaft mit sich.
Eine Besonderheit, die Bokashi-Saft mit nur wenigen anderen Flüssigdüngern teilt ist die zuverlässige Verfügbarkeit der Nährstoffe für die Pflanzen. Durch die Arbeit der effektiven Mikroorganismen liegen die Nährstoffe in Form von sogenannten „Chelaten“ vor. Diese Chelate sind Nährstoffverbindungen, die von den Pflanzen ohne Umschweife und unabhängig vom PH-Wert des Bodens aufgenommen werden.
Die im Bokashi-Saft enthaltenen Mikroorganismen sorgen für ein gesundes Bodenmilieu und helfen Krankheiten zu unterdrücken.
Der Bokashi-Düngegeruch verfliegt schneller, als bei den meisten anderen Düngern. Manch ein konventioneller Dünger verbreitet schon mal über 1-2 Wochen hinweg einen eher unangenehmen bis miefigen Geruch im Garten. Der Sauerkrautgeruch des Bokashi ist in der Regel nach spätestens zwei Tagen verflogen.
Durch die Eigenherstellung des Düngers bleiben viele „meiner“ Nährstoffe in meinem kleinen Kreislauf erhalten. Das heißt auch, dass selten bis niemals Düngemittel zugekauft werden müssen.
Durch die hohe und breite Nährstoffverfügbarkeit im Bokashi-Saft unterstütze ich die Gesundheit der Pflanzen präventiv.
Willkommener Nebeneffekt: die Bio-Tonne hat wenig Arbeit und somit auch wenig Angriffsfläche für Ungeziefer und Ungetier.
Bokashi ist auch bei begrenzten Platzverhältnissen möglich. Es bietet also eine kompakte Alternative zu einem Komposter oder Komposthaufen.
Wie verwende ich Bokashi-Saft?
Klassisch wird der Bokashi-Saft mit Wasser verdünnt gegossen.
Die Verdünnungen, die zum Einsatz kommen liegen zwischen
10ml Bokashi-Saft/10Liter Wasser und
100ml Bokashi-Saft/10Liter Wasser
Welche Dosierung benötige ich wofür?
Welche Dosierung angeraten ist, hängt vom Nährstoffbedarf der Pflanze ab.
Achtung nicht dem Trugschluss erliegen, dass eine Pflanze die sehr hungrig erscheint sofort eine große Portion Nährstoffe braucht!
Die Dosierung muss dem generellen Nährstoffbedarf der Pflanze angepasst sein.
Meist werden Pflanzen nach ihrem Nährstoffbedarf in drei Gruppen unterteilt:
Schwachzehrer – Pflanzen mit niedrigem Nährstoffbedarf
Darunter fallen die meisten Kräuter, aber auch Sukkulenten und Steingartengewächse oder die meisten Zimmerpflanzen vertragen keine hohen Nährstoffdosen. Außerdem fallen in diese Gruppe Stangen- und Buschbohnen, Zuckererbsen, Radieschen, Rucola, Spinat und Pastinake.
Mittelzehrer – Pflanzen mit mittlerem Nährstoffbedarf
Meist werden in dieser Gruppe Salate einsortiert, aber auch Sommerblumen, Ziersträucher und Rasen liegen mit ihrem Nährstoffbedarf meist eher im Mittel. Außerdem zählen Mangold, Karotten, Petersilie, Kohlrabi, Rote Rüben, Porree, Steckzwiebeln und Puffbohnen in diese Gruppe
Starkzehrer – Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf
Darunter fallen vor allem die Gewächse, die reiche Ernte verheißen. Gemüse wie Kopf-Kohl, Tomaten und Gurken, Zucchini und Kürbis, Zuckermais, Aubergine, Sellerie, Gemüsefenchel, Paprika, Pfefferoni und Chili, Kartoffeln und Obstgehölze.
Nach der Einsortierung der Pflanzen nach ihren Ansprüchen, kann man also die passende Dosis vorbereiten und in Form von Gießwasser der Pflanze zur Verfügung stellen.
Dosierung nach Nährstoffbedarf:
Schwachzehrer bekommen eine Verdünnung von
10ml Bokashi-Saft auf 10 Liter Wasser
Mittelzehrer erhalten eine Verdünnung von
30ml Bokashi-Saft auf 10 Liter Wasser
Starkzehrer dürfen mit einer Verdünnung von
bis zu 100ml Bokashi-Saft auf 10 Liter Wasser gedüngt werden.
Wer sich unsicher in der Dosierung ist, sollte besser noch weniger Bokashi-Saft auf 10 Liter Wasser verdünnen. Auch wenn sehr nährstoffreiches Material im Bokashi-Eimer genutzt wurde gilt es vorsichtiger zu Dosieren. Wenn der Eimerinhalt zum Beispiel zu großen Teilen aus Kohlresten besteht.
Pflanzen vertragen Nährstoffmangel länger und besser, als eine Überdüngung!
Kann man den Saft auch anders als durch Gießen zu den Pflanzen bringen?
Ja das geht durchaus.
Eine Besonderheit bei der Verwendung von Bokashi-Saft ist auch, dass man diesen als sogenannten Blattdünger einsetzen kann.
Pflanzen können viele Nährstoffe auch über ihr Laub aufnehmen. Zumindest wenn die Nährstoffe in der dafür passenden Form vorliegen. Das ist im Bokashi-Saft der Fall. Zusätzlich zu der Nährstoffzufuhr über das Laub hat Bokashi-Saft als Blattdünger den erfreulichen Nebeneffekt, dass manche der Inhaltsstoffe des Bokashi-Saft Krankheiten von der Blattoberfläche fernhalten können.
Wichtig bei Bokashi-Saft als Blattdünger ist, dass die Verdünnung maximal 10ml Bokashi-Saft auf 10Liter Wasser beträgt. Egal um welche Kategorie Pflanze es sich handelt.
Anmerkung: die krankheitsunterdrückende Wirkung hält je nach Wetter 3 (bei Regen) – 10 Tage (bei sonnigem Wetter). Danach muss die Pflanze wieder mit Bokashi-Saft-Verdünnung überbraust werden, um den Effekt aufrecht zu erhalten. Wenn man mit der Blattdüngung aufhört hat es keinen negativen Effekt. Nur der zusätzliche positive Effekt fällt ab dann wieder weg.
Wie viele Gießkannen müssen denn dann geschleppt werden?
Diese Frage ist berechtigt. Leider viele, wenn man sich tatsächlich auf Gießkannen bezieht. Immerhin soll beim Gießen ja eine Wassermenge von 20-30 Liter je Quadratmeter Garten ausgebracht werden.
Das gilt auch wenn dem Gießwasser Bokashi-Saft beigemengt ist. Allerdings sollte man mit Bokashi-Saft im Abstand von 1-2 Wochen düngen. Auch dann, wenn im Sommer häufiger gegossen werden muss.
Wer sich jetzt seinen Gemüsegarten, oder auch andere Gartenbereiche vorstellt kann überschlagen, wie viele Gießkannen das zu schleppen bedeutet.
Es muss aber nicht zwingend die Gießkanne sein!
Wer zum Beispiel aus der Zisterne heraus gießt, der kann den Bokashi-Saft in der entsprechenden Dosis zum Wasserstand direkt in die Zisterne geben. Dem Saft sollte dann aber einige Zeit eingeräumt werden um sich im Wasser verteilen zu können. Der Zisterne und auch der Pumpe entsteht durch den Bokashi-Saft kein Schaden.
Alternativ gibt es für den Wasserschlauch „Zumischer“. Das sind Gießbrausen mit integriertem Tank (im nächsten Bild, rechts). In diesen Tank gibt man den Bokashi-Saft und stellt dann noch die benötigte Verdünnung an der Brause ein. Auf Knopfdruck wird die eingestellte Menge Bokashi-Saft dem Gießwasser beigemengt.

Noch ein letzter Verfahrenshinweis:
Mir kommt gelegentlich zu Ohren, dass es ja auch prächtig funktioniert, den Bokashi-Saft in einer sehr starken Verdünnung also zum Beispiel 500ml/10Liter Wasser und dann mit reichlich Wasser nachzugießen. „Das verdünnt sich dann schon im Boden“ ist die allgemeine Auffassung, die mit dieser Methode einhergeht.
Generell kann ich dieser Aussage nicht wiedersprechen. Natürlich verdünnt das nachfließende Wasser den Bokashi-Saft im Boden.
Was offen bleibt ist die Frage ob die Verdünnung noch rechtzeitig einsetzt bevor die hohe Nährstoffdosis die Wurzeln der Pflanze schädigt.
Man sollte hier aber auch bedenken, dass generell nicht auf trockene Böden gedüngt werden sollte. Ideal ist bei jedem Dünger, egal ob handelsüblich, oder eigener Bokashi, wenn die Erde zuvor leicht angefeuchtet wurde.
Also bitte mit immer mit Vorsicht und Bedacht Düngen. Pflanzen können sich nicht übergeben, wenn sie zu viel Futter bekommen haben. Bei Pflanzen verbrennen wegen der Überdosierung mit Nährsalzen die Wurzelspitzen. Verbrannte Wurzelspitzen bedeuten, dass die Pflanze weder Wasser noch Nährstoffe aufnehmen kann.
Lieber einmal mehr im Jahr mit Nährstoffen gießen dafür aber nicht die Gesundheit der Pflanze riskieren.
Was kann ich tun, wenn ich einfach zu viel Bokashi-Saft ernte?
Eine mögliche Verwendung von überschüssigem Bokashi-Saft ist ihn als Abflussreiniger einzusetzen. Einfach in den Abfluss gießen. Nach 1-2 Stunden kann mit reichlich Wasser nachgespült werden. Hierfür kann man auch Bokashi-Saft nutzen, der durch zu lange oder fehlerhafte Lagerung schlecht riecht und für Pflanzen zu riskant wäre.
Wenn der Überschuss an Bokashi-Saft konstant zu hoch ist, kann man den Ertrag sinnvoll reduzieren. Dafür aber nicht einfach weniger effektive Mikroorganismen im Eimer verwenden. Vielmehr lohnt es sich zusätzlich zu den Mikroorganismen aufnahmefähiges Material mit in den Eimer zu geben.
Dafür befüllt man den Eimer wie im Beitrag „Bokashi – Herstellung“ beschrieben. Nachdem die effektiven Mikroorganismen gesprüht wurden wird noch eine Dünne Schicht Pulver aufgestreut. Das Pulver kann entweder mineralischen Ursprungs sein. Das ist zum Beispiel „Urgesteinsmehl“ oder auch der „Bodenaktivator“ von der Firma „Oscorna“. Alternativ kann auch kleingestoßene Holzkohle Pflanzenkohle verwendet werden.
Positiver Nebeneffekt bei beiden Pulver-Kategorien: Der Bokashi-Saft wird vom Pulver aufgenommen und erhöht den Nährstoffgehalt des Eimerinhalts. Es werden ja weniger Nährstoffe über den Saft aus dem Eimer entnommen.
Achtung bei Kohle-Pulver: Durch die Kohle wird der gesamte Eimerinhalt grau bis schwarz gefärbt. Leider auf Dauer auch der Eimer selbst. Wer das unattraktiv findet verwendet ein mineralisches Pulver.
Bei mineralischen Pulvern bringt man zusätzlich zu den Nährstoffen aus den organischen Materialien weitere Mineralien und Spurenelemente in das Bokashi-Ergebnis ein. Diese erhöhen sogar noch die Qualität der fertigen Bokashi-Produkte.
Mehr zum Thema Düngen mit Bokashi folgt bald.
Meine Beobachtungen während meiner Jahre mit Bokashi-Saft:
Es ist nicht unüblich, dass sich auf dem gelagerten Bokashi-Saft eine leichte Schimmelschicht bildet. Die kommt von den in den effektiven Mikroorganismen enthaltenen Hefen. Einfach das Gefäß schütteln und den Saft normal verwenden.
Der gewonnene Bokashi-Saft kann sehr unterschiedlich aussehen. Das hängt natürlich an den verwendeten Materialien im Eimer. In meinem letzten Bokashi-Eimer landete zum Beispiel ein fast vollständiger Bund Bananen, weil diese zum Verzehr einfach zu unangenehm geschmeckt haben. Logischerweise ergibt das einen Bokashi-Saft der sehr an Bananen-Shake erinnert. Ein andermal war der Saft beinahe so grün wie Pfefferminzschnaps. Die Eimerfüllung bestand hauptsächlich aus dem Rückschnitt meiner Kräuter und Grünpflanzen.

Was sind das für „eindeutige“ Beschriftungen auf Eimer und Flasche?
Das verrate ich im letzten Beitrag der Bokashi-Reihe.

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