Schnecken, im Garten…

…so manche Arten, mit Häuschen, nackig und getigert…

Ein kleiner Spaß am Rande. Aber mir ist durchaus klar, dass es sich hier um ein ernstzunehmendes Thema handelt.

Schnecken im Garten sind zwar etwas sehr natürliches, aber nicht zwingend ein Grund zum Frohlocken.

Auch wenn sicher viele meine Meinung teilen, dass doch irgendwo jedes Lebewesen das Recht hat in unserer Welt zu verweilen. Dabei zuschauen wie die Mühen der eigenen Gartenarbeit weggeschmaust werden, muss trotzdem nicht sein.

Was soll man aber nun tun, wenn die Schnecken in Horden über den liebevoll hochgezogenen Salat herfallen? Oder immer wieder aufs Neue zum Angriff auf die zarten Triebe im Staudenbeet blasen?

Selbst Kübel stellen kaum ein ernstgenommenes Hindernis für die kleinen Schleimer dar. Und selbst im obersten Stockwerk von Mehrparteienhäusern können die Plagegeister angetroffen werden.

Vielmals werden hilfreiche Tipps angeboten, wie man sich dieser Tiere entledigen kann. Da gibt es die althergebrachte Bierfalle, absammeln und zerschneiden hört und liest man auch immer wieder, diverse Schneckengifte werden angepriesen, oder sogenannte Lifehacks, die auf Kronkorken im Garten schwören…

Aber irgendwie scheint das alles keine dauerhafte Lösung zu bieten. Bedenkt man, dass ich über Jahre hinweg beobachten konnte wie Kunden jedes Jahr wieder von derlei Methoden berichteten und darauf schworen, oder gar jährlich aufs Neue in die Giftregale griffen, um dem Schneckenangriff zur Wehr zu schreiten.

Meine Überzeugung: Es gibt nicht ein Mittel um das Schneckenproblem aus dem Garten zu schaffen. Hier ist eher eine ganzheitliche Therapie nötig.

Ein neuer Ansatz gegen die Schnecken. Vielleicht aber gar nicht mal wirklich neu. Immerhin wussten sich unsere Vorfahren auch ohne Schneckengift und Kronkorken gegen Schnecken zu wehren.

Ich habe mich, als mich mein erstes „Schneckenjahr“ eiskalt erwischte, gefragt wie ich dieser Angelegenheit Herr werden will. Dafür habe ich Literatur und Medien konsumiert so viel ich nur finden konnte.

Die Bierfalle. Bei meinen Recherchen konnte ich erfahren, dass Schnecken zwar durchaus sehr für Bier zu haben sind und somit zuverlässig in die Falle gehen. Aber leider hat man auch beobachten können, dass Schnecken Bier über viele Gärten hinweg riechen und man somit mit den Bierfallen noch mehr Schnecken in seinen Garten lockt. Und wenn die Bierfalle gerade schon belegt ist, werden die Schleimer kaum brav Schlange stehen und warten, bis sie an der Reihe sind. Sie werden wohl doch eher das nahegelegene Pflanzen-Buffet stürmen.

Somit fällt Methode Bierfalle für mich aus dem Rennen.

Methode Kronkorken. Es mag sein, dass mit den Zacken nach oben ausgelegte und in die Erde gedrückte Kronkorken für Schnecken unangenehm zu überwinden sind. Aber will ich meine Pflanzen wirklich mit einem Kronkorken-Mosaik einfassen? Denn sichtbar müssen diese Teile im Garten sein. Wären sie mit Erde bedeckt könnte die Methode eh nicht funktionieren.

Somit fällt die Kronkorkenmethode auch aus dem Rennen.

Zerschneiden? Also ich bin ehrlich: ich kann das einfach nicht. Dennoch habe ich auch hierzu mehr Information gefunden. Nämlich, dass wenn man diese Methode anwendet die Schnecken in der Mülltonne entsorgt werden müssen. Die Kadaver von liegengelassenen Schnecken sind leider wieder ein Schneckenmagnet mit Weitenwirkung. Außerdem ist es möglich, dass die zerschnittenen Schnecken ihre letzten Eier, die bereits befruchtet wurden noch abgeben. Und da Schnecken immer sowohl Männchen, als auch Weibchen sind hat man gute Chancen eine Eiablage im eigenen Garten „zu erzwingen“.

Also auch kein Zerschneiden für mich.

Schneckengifte. Unabhängig davon auf welcher Basis Schneckengifte funktionieren, kommen diese für mich nicht in Frage. Ich möchte einfach unbekümmert in meiner Erde wühlen können, ohne mir dabei Gedanken zu machen, ob ich gerade mit Giftstoffen in Berührung komme oder nicht. Auch wenn diese versprechen, auf mich keine schädliche Wirkung auszuüben. Auch der Gedanke, dass ein Igel, oder anderes Tier eine durch mich vergiftete Schnecke konsumiert passt nicht in mein Weltbild. Ein ebenso relevanter Punkt gegen den Einsatz von Schneckengiften ist für mich der Tigerschnegel. Tigerschnegel sehen aus wie Schnecken in Leopardenleggings und sind an sich sehr harmlos. Sie fressen nahezu ausschließlich abgestorbene Pflanzenteile, Tierkadaver oder in seltenen Fällen sogar Schneckeneier.

Kupferbänder. Zumindest an Hochbeeten, in Rabatten und Pflanzgefäßen scheinen Kupferbänder eine gute Schneckenabwehr darzustellen. In gewissem Rahmen ist das auch wirklich so. Es gibt jedoch einige „Abers“.

Ein „Aber“ lautet, dass viele im Markt angebotenen Kupferbänder so schmal sind, dass größere Schnecken diese überwinden können. Das nächste“Aber“: Schnecken können auch auf anderen Wegen in die Gefäße und Hochbeete gelangen. Zum Beispiel ist es möglich, dass sich die Tiere über einen Schleimfaden von überhängenden Pflanzen ablassen. Auch können sie über den Erdboden durch Wasserabzugslöcher in Gefäße eindringen.

Letztlich besteht „Aber“ auch die Gefahr, dass der Gärtner seine Beete selbst infiziert, indem er durch neue Erde oder Pflanzen die Schnecken oder deren Eier unwissentlich in die Beete oder Gefäße einträgt. Und da kann das Kupferband nicht helfen.

Absammeln und wegtragen. Absammeln und wegtragen scheint der einzige Weg zu sein, der mir übrig bleibt. Was bedeutet das dann also? Jeden Tag am besten zweimal, nämlich zur Morgendämmerung und zur Abenddämmerung durch den Garten streifen. Schnecken in einen Eimer sammeln und dann? Ja genau. Angeblich können Schnecken weite Strecken an einem Tag zurücklegen. So weit, dass davon ausgegangen wird, dass Schnecken die man über die Straße oder auch zwei Grundstücke weiter trägt und freilässt zuverlässig zurückkommen und ihr Werk fortsetzen. Wenn man einen geschlossenen Komposter hat, kann man zumindest die größeren Exemplare darin absetzen. Deckel drauf und Ruhe ist. Leider nur bis man die eierverseuchte Komposterde in seinen Garten zurückbringt. Oder die Eier ausschlüpfen und die kleine Jungschnecken den Weg zurück ins Beet finden.

Also alles in allem auch keine Dauerlösungen – für mich.

Wie sieht das alles eigentlich aus, wenn wir uns der Herausforderung von anderer Richtung nähern?

Schnecken sind in der Natur zum Aufräumen bestimmt. Sie fressen am liebsten welke, matschige, weiche, pflanzliche Überreste. Wie kommt es dann, dass so viele knackige Salate und andere Pflanzen in unseren Beeten einen solchen Reiz auf sie ausüben?

Aus dieser Überlegung habe ich meinem persönlichen Schlachtplan im Kampf gegen den Schneckenschaden aufgestellt.

Denn die Schnecke als solche ist mir im Grunde genommen egal und darf gerne mit mir im Garten leben. Nur Schaden möchte ich bitte keinen dadurch erleiden.

„Der Hunger treibt’s rein.“ Ein nicht sehr charmanter Spruch, wenn man gerade zu Tisch sitzt. Aber vielleicht ist beim Thema Schnecken ja was dran. Wie soll eine Schnecke denn auch satt werden, wenn in unseren Beeten so unfassbar hübsch aufgeräumt ist? Gerne wird ja immernoch das Bild des aufgeräumten und schon fast klinischen Gemüsebeets veröffentlicht. Das bedeutet, nackte Erde zwischen penibel saubergezupften Salatreihen, sowie Gemüse- und Kräuterzeilen. Da liegt kein Halm, kein Blättchen, keine abgefallene Blüte, einfach nichts das der Schnecke besser schmecken könnte, als der im vollen Saft stehende Salat.

Das heißt also: Einfach mal was liegen lassen. Mulchen ist generell eine gute Idee für die Boden- und somit Gartengesundheit. Meist denkt man bei dem Wort „Mulch“ an Rindenmulch. Dieser bietet einer Schnecke aber eher wenig Essbares. Wenn man jedoch offener denkt, dann ist alles Organische, das auf dem Boden liegt Mulch.

Mulchen als Antischneckenmethode mit Mehrwert. Um meine Schnecken von meinen Pflanzen fernzuhalten, biete ich ihnen appetitlichere Nahrung an. Und das ganz nebenbei, wenn ich ungeliebte Wildpflanzen entferne. Ich entferne diese nämlich nur aus dem Boden, aber nicht aus dem Beet. Nachdem ich eine Wildpflanze aus dem Boden gezogen habe, entferne ich die Wurzel vom Rest der Pflanze und lasse eben diesen Rest an Ort und Stelle auf dem Boden liegen. Auf diese Weise kann zweierlei passieren:

1. Ich habe gratis Mulch, der sogar einen Teil der Nährstoffe in meinen Boden zurück gibt, den er zum Wachsen genutzt hat.

2. Eine Schnecke kann sich daran verköstigen und wird mir als Dank für die Mahlzeit ein kleines Krümelchen nährstoffreiche Erde zurücklassen.

Diese Methode wende ich auch an, wenn ich im Garten ernte oder pflege. Pflanzenteile, die ich nicht in der Küche verwenden möchte und die keine Krankheiten zeigen bleiben zerkleinert direkt im Beet liegen. Auch Strauch- und Staudenschnitte bleiben auf diese Weise meinem Nährstoffkreislauf im Garten erhalten. Ich habe weniger Aufwand bei der Mulchbeschaffung und die Schnecken haben eine Chance etwas anderes zu futtern, als meine zukünftige Ernte.

Ablenkungsmanöver starten. In vielen Gartenratgebern wird empfohlen in die Gemüsebeete Tagetes zu pflanzen. Bekannt ist der gesundende Effekt auf den Boden. Was aber noch nicht sehr weit verbreitet ist: Tagetes, die auch als Studentenblume bekannt ist scheint reines Lakritz für Schnecken zu sein. Das hat zur Folge, dass diese Blume radikal von Schnecken abgefressen wird. Und wenn es gut läuft sogar jede Nacht aufs Neue. Denn Tagetes können sich durchaus schnell von der nächtlichen Kahlrasur erholen. Was daran jetzt eine Hilfe gegen die Schnecken sein soll? Ganz einfach, solange sich eine Schnecke über die Studentenblume her macht, kann sie nicht an die Pflanzen, die ich gerne selbst beernten möchte. Da es aber für die Bodengesundheit ohnehin sinnvoll ist Tagetes zu pflanzen, kann man den Nebeneffekt auf Schnecken auch ausnutzen. Seit ich meine Pflanzen regelrecht mit Tagetes umzäune kann ich kaum noch Spuren von Schnecken an meinen anderen Pflanzen finden – nicht einmal eine verräterische Schleimspur.

Verwirrung stiften. Ich habe noch nie eine Schnecke an Minze gesehen. Auch keine Schneckenspuren oder andere Anzeichen dafür, dass einer der Schleimer heimlich an der Minze war. Als ich dann auch noch von einem anderen Gärtner hörte, dass er die getrockneten Stängel seiner Minze als Barriere um seine gefährdeten Pflänzchen legt, habe ich diese Methode noch ausgeweitet. Minze wächst so schnell wie Unkraut und kann somit mehrmals jährlich kräftig zurückgeschnitten werden. Diesen Rückschnitt kann man dann wahlweise in Tee und Nachspeise verwenden, oder als Schneckenschutz für Gartenpflanzen. Um mit Minze seine Pflanzen gegen Schnecken zu schützen kann das Schnittgut klein geschnitten und rund um die Pflanzen und auch über Pflanzen gestreut werden. Eigene Versuche haben bei mir gezeigt, dass die Pflanzen, die so präpariert waren keine Schneckenspuren mehr zeigen. Nicht „beminzte“ Pflanzen hingegen wurden angekaut.

Bodenbearbeitung mit wachem Auge. Wenn die Erde zwischen Pflanzen aufgelockert, oder ein Pflanzgefäß verrutscht wird treten gelegentlich „Gelege“ zu Tage. Eine Ansammlung kleiner Kügelchen. Manche sind weiß und erinnern an kleine Zuckerkugeln aus Jahrmarktssüßigkeiten. Andere sind eher gelb oder bernsteinfarben und wirken durchsichtig. Die Gelege mit gelben Eiern können dem Tigerschnegel zugeordnet werden. Da diese Tiere keinen Schaden im Garten anrichten, ist es sinnvoll diese Eier wieder mit Erde zu bedecken und der Natur ihren Lauf zu lassen. Die weißen Eier dagegen entstammen Schnecken. Leider gibt es keine Anleitung wie man erkennen kann, ob es sich um die Eier von Nacktschnecken, oder Gehäuseschnecken handelt. Wenn man verhindern will, dass diese Eier schlüpfen genügt es sie auf der Erde liegen zu lassen. Entfernt man sich von den Eiern, dauert es meistens nicht lange bis ein dankbarer Vogel landet und die gesamte Portion verspeist. Praktisch daran ist, dass der Vogel nicht selbst unkontrolliert durch das Beet wühlt um die Eier zu finden. Findet sich kein Vogel, der sich die Eier schmecken lässt kann man davon ausgehen, dass die Eier ohne den Schutz der aufliegenden Erde vertrocknen und auch so keine Schnecken schlüpfen können.

Schneckenschutz durch Standortvorteil. In einer Gartensendung habe ich einen Gärtner sagen hören, dass die Problemhortensie der Kunden halt so eine ist. Er sagt, dass bei jeder Pflanzung immer eine Pflanze dabei ist, die das Opfer darstellt und es auch immer bleiben wird. Die Opferpflanze in diesem Beispiel hatte aber aus meiner Sicht einfach nur keine guten Karten zugespielt bekommen. Es handelte sich um eine Hortensie (Hydrangea arborescens ‚Annabelle‘). Die angesprochene ‚Annabelle‘ stand am sonnigesten Rand einer Reihe von gleichen Pflanzen. Auch wenn diese Sorte durchaus an einem sonnigen Standort überlebt, so wird sie aufgrund der Abweichung von ihrem Wunschlebensraum im Vergleich zum Ideal immer eine geschwächte Pflanze sein. Und diese auferzwungene Schwäche ist dann auch der Auslöser für den Opferstatus. Die Pflanze leidet durch den grenzwertigen Standort. Das hat zur Folge, dass die Pflanze schwach und weich ist. Und schwach und weich ist genau das, was Schnecken bevorzugen. Besonders wenn keine noch weicheren Pflanzenteile auf dem Boden liegen.

Innere Stärke, statt äußerer Schwäche. Neben einem möglichst idealen Standort ist auch die möglichst ideale Ernährung einer Pflanze ausschlaggebend. Wie sehr Pflanzen von Schädlingen wie Schnecken (aber auch anderen saugenden und beißenden Schädlingen) befallen werden hängt auch davon ab, wie die Pflanzen gedüngt werden. Neueste Studien haben erwiesen, dass Pflanzen, die unausgewogen gedüngt werden an Stabilität verlieren. Meist führt ein Nährstoffungleichgewicht im Boden zu einem Stickstoffüberschuss in der Pflanze. Stickstoff ist zwar wichtig, aber in zu hohem Maß lässt dieser Nährstoff die Zellwände der Pflanzen weich werden. Auch die Fähigkeit Schäden zu heilen wird durch zu hohe Stickstoffaufnahme reduziert. Schnelle Hilfe bieten Präparate aus Ackerschachtelhalm oder Brennessel. Auch ein Auszug aus Bananenschalen kann zur Stabilität der Pflanzen beitragen. Auf lange Sicht empfiehlt es sich aber eine regenerative Bodennutzung anzustreben.

Vielleicht ist ja eine Methode dabei, die Dir einen Versuch wert scheint. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg beim Abwenden von Schneckenschäden!

Ich hätte sehr gerne noch ein paar Bilder von Schnecken und Schnegeln eingefügt, aber ich konnte bei mir wirklich einfach keine mehr finden.



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Ein Kommentar zu „Schnecken, im Garten…“

  1. […] das Thema Schnecken anbelangt; ich kann aus eigener Beobachtung nicht bestätigen, dass es einen Unterschied ausmacht, […]

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