Regen ersetzt nicht immer das Gießen

Regen ist elementar wichtig. Für den Garten genauso wie für Kübelpflanzen. Aber ist Regen immer ein Garant dafür an diesem Tag nicht gießen zu müssen?
Leider lautet die harte Wahrheit: „Nein“
In meinem früheren Beitrag „Sommer, Sonne, Trockenstress“ und auch „Kübelpflanzen durch die Sommerhitze bringen“ habe ich versucht zu vermitteln, welches Gießverhalten zu einer arbeitsarmen und handzahmen Pflanzung führt.
Um das Thema einigermaßen übersichtlich zu gestalten, habe ich in diesen Beiträgen darauf verzichtet zusätzlich das Thema „Gießen bei Regen“ einzuweben.
Um erklären zu können, warum Regen nicht immer vom Gießdienst befreit, möchte ich erst mit einer kleinen Zusammenfassung der relevanten Aspekte der vorigen Beiträge beginnen:
Um ein möglichst günstiges Wurzelwachstum bei einer Pflanze zu erreichen ist es wichtig, so zu gießen, dass viel Wasser langsam ins Erdreich eindringt. Aber es ist ebenso wichtig, dass so lange nicht wieder gegossen wird, bis die oberen 7-10cm Erde trocken sind. Bei Kübeln reduziert sich die Trockenzone auf die oberen 3-5cm Erde.
Dieser Rhythmus von durchdringendem Wässern und Abtrocknen lassen regt die Pflanzen dazu an, ein tieferes, sowie weiter verzweigtes und feiner vernetztes Wurzelwerk auszubilden.
Aus dieser Regel kann man ableiten, dass Regen mit seinen unterschiedlichen Niederschlagsmengen nicht zwingend ein gesundes Wurzelwachstum bewirkt. Das wiederum bedeutet, dass es sehr sinnvoll sein kann wahlweise vor, bei oder auch nach dem Regen zu gießen.
Aber dass es nötig sein kann heißt ja auch, dass es nicht immer so ist.
Wie erkenne ich also ob noch gegossen werden muss, oder nicht?
Mir sind nur zwei zuverlässige Wege diese Frage zu beantworten bekannt.
- Niederschlagsmesser
- Spaten- bzw. Schaufelprobe
Ein Niederschlagsmesser kann einem Auskunft darüber geben, welche Menge Niederschlag gefallen ist. Ein elektronisches Messgerät bietet die Möglichkeit, sogar den relativ genauen Zeitraum des Niederschlags zu erfahren.
Ein Vorteil den das mit sich bringt, ist dass man mit etwas Beobachtung und Erfahrung eine Einschätzung erhält in welcher Weise es geregnet hat. Ein Platzregen hat andere Auswirkungen auf den Wasserhaushalt des Gartens, als konstanter, sanfter, weicher Regen über mehrere Stunden hinweg.
Die klassischen Niederschlagsmesser, auch Regenmesser genannt, zeigen nicht den Zeitraum des Niederschlags, abgesehen davon, dass man das Auffanggefäß ausleeren soll. Dann war der Zeitraum des Niederschlags zumindest seit der letzten Leerung. Aber was genauso zuverlässig, wie bei der elektronischen Variante funktioniert ist die Niederschlagsmenge, die den Garten erreicht hat.
Ich empfehle seit Jahren mehrere Niederschlagsmesser im Garten, oder auch auf Balkon und Terrasse zu verteilen. Das Wetter auf einer Hausseite kann sehr von dem Wetter der anderen Seiten abweichen. Es ist auch einleuchtend, dass ein Regenmesser mitten auf der Rasenfläche andere Niederschlagsmenge misst, als ein Regenmesser, der unter einem Großen Baum im gleichen Garten steht. Auch was an Niederschlag in Kübeln ankommt, kann extrem von dem Abweichen, das direkt neben dem Kübel den Boden erreicht.
Daher meine Empfehlung:
Mehrere Regenmesser im gesamten Garten verteilen. Auch unter Bäumen und Sträuchern und dabei auch die Kübel berücksichtigen. Besonders in Kübeln die Regenmesser unter den Pflanzen, oder mitten in den Pflanzen positionieren. Zu diesem Zweck gibt es durchaus putzige kleine Stand-Regenmesser im Handel zu finden.

Die von Fachleuten empfohlene Gießmenge ist 20-30 Liter Wasser je Quadratmeter Gartenfläche.
Bei Kübelpflanzen gilt die Regel: Den Kübel langsam so lange zu Wässern, bis das Wasser aus den Abzugslöchern läuft.
Nach einem Regenereignis können dann die entsprechenden Messgeräte ausgewertet werden. Wenn weniger als die empfohlenen 20-30 Liter Niederschlag im entsprechenden Bereich ermittelt wird, wird es Zeit für den zweiten Weg den Gießbedarf herauszufinden.
Da jeder Garten anders ist, ist auch jeder Gartenboden anders. Das heißt, dass jeder Boden Wasser anders aufnimmt und speichert. Dazu kommt, dass ein heftiger Regenguss eher oberirdisch in die Kanalisation abfließt. Ein langes, sanftes Regnen lässt im Vergleich deutlich mehr Wasser im Boden versickern.
Um nun wirklich sicher zu gehen, dass die Pflanzen gut mit Wasser versorgt sind muss man einen Spaten, oder im Kübel eine kleine Pflanzschaufel bemühen.
- Das Spaten-/Schaufelblatt vollständig in den Boden stecken.
- Leicht mit dem Spatenstiel/Schaufelgriff wackeln, um eine leichte Spalte zu erzeugen.
- Ein Blick, oder auch gerne ein Fühlen, möglichst ganz unten im Spalt verrät, ob es der Regen tief genug geschafft hat.
Wenn die Erde nicht bis an den Grund des Spaltes feucht ist, kann ein Nachgießen durchaus sinnvoll.
Reicht die Feuchtigkeit bis nach unten ist vorerst genug Wasser für die Pflanze da.
Egal wie das Ergebnis aussieht, nicht vergessen den Spalt wieder zuzudrücken.
Ob man lieber vor dem Regen, nach dem Regen, oder während es regnet gießt ist viel dem eigenen Geschmack und dem eigenen Zeitplan geschuldet.
Manche Wetterdienste liefern ja eine Prognose der zu erwartenden Niederschlagsmenge. Also kann man theoretisch ausrechnen, wie viele Liter Wasser man hinzufügen muss, auch schon während es noch regnet.
Mir ist das aber einerseits mehr Mathematik, als ich haben möchte und andererseits auch nicht zuverlässig genug. Somit sehe ich das als unnötigen Mehraufwand – für mich. Wer gerne rechnet, dem wüsche ich natürlich viel Spaß.
Nun aber wieder zum eigentlichen Thema:
Nach dem Regen scheint die cleverste Variante zu sein für ausreichend Wasserversorgung an den Pflanzen zu sorgen. Im Idealfall sagt der Regenmesser und/oder der Spatentest sogar, dass es nicht nötig ist zu gießen. Wenn es die Zeit also erlaubt, dann ist es durchaus gut, den Garten nach dem Regen zu prüfen bei Bedarf Wasser zu ergänzen.
Bei Kübelpflanzen hat es einen besonderen Nebeneffekt, vor dem Regen zu gießen. Wenn meine Kübelpflanzen Laub tragen, kommt nahezu kein Regen im Topf an. Und das dürfte vielen Kübeln ähnlich ergehen. Das heißt, dass ich sehr oft mit Leitungswasser in den Kübeln zugießen muss. Das Leitungswasser lässt Kalk in der Erde zurück, den meine Pflanzen in dieser Menge nicht alle mögen. Wenn ich also vor dem Regen gieße, dann kann das bisschen kostbare Regen, das doch in den Topf trifft einen Teil des Kalkes mit ausspülen, oder zumindest etwas verdünnen.
Wer den Luxus einer Regentonne oder einer Zisterne genießt, sollte so viel wie möglich aus dieser Wasserquelle schöpfen.
Würde ich erst nach dem Regen gießen, bestünde das Risiko, dass das Regenwasser durch das Leitungswasser aus der Erde gespült wird, da ja so viel gegossen werden soll, bis Wasser unten aus dem Topf läuft.
Wenn man dazu neigt, die oberirdischen Pflanzenteile mit dem Gießwasser zu erwischen kann es wiederum einen Nutzen bringen vor dem Regen zu wässern. Der Kalk der durch „über-Kopf-gießen“ an den Pflanzenteilen anhaftet kann durch den Regen zumindest teilweise wieder abgewaschen werden. Durch weniger Kalkflecken haben Pilzkrankheiten weniger Angriffsfläche auf der Pflanze.
Bei Kübeln ist es noch wichtig nach dem Regen in die Untersetzer, oder auch Übertöpfe zu schauen. Wasser das sich hier gesammelt hat sollte nach spätestens einer Stunde entfernt werden.
Welchen Weg ihr auch wählt. Ich wünsche viel Spaß mit euren Pflanzen. Und bei Fragen helfe ich wie immer gerne weiter.

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