Kübelpflanzen durch die Sommerhitze bringen

In Anlehnung an meinen Beitrag „Sommer, Sonne, Trockenstress“ möchte ich hier nun darlegen, wie man seine Kübel- und Topfkulturen mit wenig, aber dem richtigen Aufwand durch die Hitzeperdiode des Jahres führt.

Direkt mal ein verbales Vorpreschen: „Wenn deine Kübelpflanze (damit meine ich alle Größen an Pflanzgefäßen) jeden Tag gegossen werden muss – selbst im heißen Hochsommer, dann stimmt etwas nicht.“

Und dieses „Etwas“ können verschiedene Dinge sein:

  • die Pflanze ist ihrem Kübel entwachsen und benötigt ein größeres Pflanzvolumen. Es kann natürlich auch sein, dass die Pflanze von vornherein zu groß für das Gefäß war.
  • das verwendete Substrat ist entweder von vornherein nicht ideal gewählt, oder zwischenzeitlich ausgelaugt und verzehrt
  • die Pflanze samt Kübel steht zu exponiert. Sonne und Wind können den Wasserbedarf bei Kübelpflanzen drastisch erhöhen.
  • es wird falsch gegossen

Um den mitschwingenden Vorwurf aus dieser Aussage zu entfernen; Zwischen perfekt und absolut falsch Gießen gibt es durchaus ein Spektrum an unterschiedlichen und unterschiedlich schlimmen Fehlern. Um dabei zu helfen, was denn evtl. bei dir bisher nicht ideal war, erkläre ich nachstehend wie man sich dem idealen Gießen nähern kann.

Es beginnt mit der Vorbereitung:

Es ist durchaus sinnvoll, nicht nur den Gartenboden, sondern auch die Kübelpflanzenerde auf das Gießen vorzubereiten. Dabei kann eine Unkrautschlinge gute Dienste tun, oder man zupft auf klassischer Weise erst einmal das Unkraut aus, das man nicht haben möchte. Die Unkrautschlinge lockert beim jäten automatisch die oberste Erdschicht, wenn man klassisch zupft sollte man mit einer kleinen Handhacke die obersten wenigen Zentimeter Erde auflockern.

Auflockern nicht umgraben.

Als nächstes steht die Fingerprobe an. Einfach einen Finger in die Erde nahe dem Topfrand, gerne auch rundum an mehreren Stellen des Kübels stecken. Dabei soll erfühlt werden, ob die oberen 3-5cm Erde noch feucht oder schon trocken sind. Wer sich nicht sicher ist, kann den Finger nach dem Rausziehen auf Verschmutzung prüfen. Feuchte Erde haftet eher am Finger als trockene und liefert auf diese Weise einen zusätzlichen Hinweis auf den Feuchtegehalt.

Wenn also die oberen 3-5cm Erde trocken sind, aber nicht schon an eine Trockenwüste erinnern (dann wurde nämlich zu lange gewartet) ist es Zeit wieder zu gießen.

Ähnlich wie beim Gießen im Garten wird auch hier gerne zu oft hintereinander mit zu wenigen Litern gegossen.

Um sicherzugehen, dass die Kübelpflanze gut mit Wasser versorgt ist, soll der Wasserstrahl auf wenig Durchfluss eingestellt sein und langsam rund um die Pflanze herum das Erdreich befeuchtet werden.

Wenn sofort Wasser unten aus dem Kübel fließt kann man sicher sein, dass nahezu die gesamte Kübelerde trocken ist. Beim Eintrocknen zieht sich das Substrat zusammen und es entsteht eine winzige (manchmal auch durchaus eine große) Spalte zwischen Substrat und Topfrand. Durch diesen Spalt rauscht das Wasser ungebremst nach unten. Eine verständliche Fehlinterpretation dieser Beobachtung ist, dass hier bereits so viel Wasser im Kübel ist, dass es unten raus läuft. Aber leider ist das Gegenteil der Fall. In solch einem Fall ist es wichtig die Erde schrittweise zu rehydrieren. Nach einer Weile mit wiederholten kleinen Wassergaben, wird der Bodenschluss zum Topfrand wiederhergestellt und man kann mit dem eigentlichen Gießen beginnen.

Dabei ist es wichtig, mit wenig Durchflussmenge zu gießen um der Erde im Kübel Zeit zu geben das Wasser aufzunehmen. Wenn man mit der Kanne arbeitet bedeutet das, eine sanfte Neigung der Kanne und mehr Oberarmtraining. Das sanfte gießen bringt auch weniger Risiko mit sich, dass Erde aus dem Topf gespült wird.

Fertig gegossen ist ein Kübel dann, wenn bei der beschriebenen Methode das Wasser unten aus dem Topf rausfließt.

Achtung bei Regen. Regen trifft nur bedingt in Kübel. Wie man hier verfährt erkläre ich im Artikel: „Gießen – vor dem Regen, bei Regen, nach dem Regen?“

Wenn man Kübel mit Untersetzer oder Übertopf verwendet ist es wichtig spätestens eine Stunde nach dem Gießen zu prüfen, dass kein Wasser mehr im Untersetzer, oder Übertopf steht. Falls doch muss dieses ausgekippt oder abgepumt werden, um die gefürchtete Staunässe zu vermeiden.

Wenn trotz dieser Gießanleitung dennoch der Drang aufkommt jeden Tag zu gießen, sollten die anderen Umstände in Betracht gezogen werden:

Ob der Kübel für die Pflanze zu klein ist, lässt sich meist, zügig ermitteln. Ein Blick unter den Topf, ob bereits Wurzeln aus den Wasserabzugslöchern ausbrechen wollen ist ein guter Hinweis darauf, dass ein größeres Gefäß benötigt wird.

Ob das Substrat noch gesund ist, ober überhaupt jemals geeignet war lässt sich da schon schwieriger nachprüfen. Zunächst sollte man überlegen, welche Erde man verwendet hat, als die Pflanze getopft wurde. Bei der Antwort Blumenerde, kann man fast sicher sein, dass es eine bessere Substrat-Wahl für die Kübelpflanze gegeben hätte. Blumenerde ist nicht auf langfristige Nutzung optimiert. Meist ist eine Kübelpflanzenerde, die einen hohen Anteil an Steinchen enthält hier die beste Wahl.

Auch die Frage, wann zuletzt eingetopft wurde hilft weiter. Erde in Kübeln ist extremeren Bedingungen ausgesetzt, als ein Gartenboden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass je nach Qualität der Ausgangssituation die Erde bereits nach wenigen Monaten „durch“ sein kann.

Hat man z. B. beim Eintopfen auf günstige Blumenerde zurückgegriffen, und auch keine bodenverbessernden Maßnahmen ergriffen ist es durchaus bereits wenige Monate nach der Pflanzung an der Zeit hier nachzuarbeiten.

Das bedeutet nicht zwingend, dass man gleich wieder neue Erde kaufen und die Pflanze umtopfen muss. Aber jetzt muss zumindest Bodenverbesserung passieren.

Es ist durchaus lohnend mit einem langen Stab Löcher in die Topferde zu bohren und in diese Löcher ein Gemisch aus Splitt, oder Blähton, sowie Komposterde einzugießen. Ein kleiner Anteil Sand kann helfen das Gemisch einfacher in die Löcher zu bekommen. Sand ersetzt aber nicht den Splitt oder Blähton.

Weiter ist meine Empfehlung zu Mulchen. Dabei kann man unter Berücksichtung der Pflanzenvorlieben mit allem mulchen was einem gefällt. Ob man seine Gemüseabfälle klein schneidet und auf der Erde verteilt, Rindenmulch, oder Lavakies nutzt, oder vielleicht sogar eine Unterpflanzung mit Bodendeckern in den Kübel einbringt ist persönlicher Geschmack.

Eine weitere Maßnahme um den Wasserbedarf der Kübelpflanzen zu reduzieren ist den Kübel zu beschatten und vor Wind abzusichern. Der Wind kann besonders bei nicht lasierten Steingefäßen die Verdunstung durch die Poren des Steins dramatisch erhöhen. Wenn man also den Verdacht hegt, dass der Wind zu viel Wasser aus dem Kübel zieht, dann den Topf, nicht die Pflanze, gerne mit einem dekorativen Stoff umwickeln.

Das hilft dann auch gleichermaßen gegen zu heftige Sonneneinstrahlung. Unter diesem Aspekt empfiehlt es sich einen hellen Stoff zu wählen, da helle Farben weniger aufheizen, als dunkle.

Zum Thema Kübelgröße und Pflanzsubstrate gibt es in Summe sehr Vieles, das man beachten kann und für eine handzahme Pflanze auch beachten muss.

Die Kübelgröße und auch die Kübelform sind abgesehen vom eigenen Geschmack eine Frage der Bedürfnisse der Pflanze.

Dabei setze ich voraus, dass die Pflanze überhaupt kübelgeeignet ist. Am Beispiel Felsenbirne (bot. Amelanchier) möchte ich das kurz erklären. Die Felsenbirne kann zwar in Kübeln gehalten werden, aber egal wie gekonnt und fachmännisch man sie im Kübel behandelt, sie wird immer eine höhere Anfälligkeit für Mehltau an den Tag legen, als eine Felsenbirne, die genau an der gleichen Gartenstelle direkt im offenen Erdreich lebt.

Ein weiteres Beispiel ist die Rose. Selbst bei kleinbleibenden Rosen sollte der Kübel eine Substrathöhe von mindestens 50cm besser 70cm bieten. Sind es weniger, leidet die Rose und somit auch der Gärtner. Da hier viel mehr Pflegebedarf entsteht, als ich einem angepassteren Gefäß aufkommt.

Für mehr Tipps zum Thema Kübelauswahl, melde dich gerne bei mir.

Die Kübelgröße ist dann wieder einfacher zu ermitteln. Hier orientiert man sich am noch aktuellen Gefäß. Bei kleinen Gefäßen bis ca. 30cm Durchmesser misst die empfohlene nächste Größe um bis zu 10cm Durchmesser mehr. Achtung, das heißt auf jeder Seite ca. 5cm extra.

Bei größeren Kübeln zwischen 30 und 50cm kann man die nächste Größe weiter setzen und gerne bis zu 30cm mehr Durchmesser, also ca. 15cm mehr auf jeder Seite wählen. Und bei Kübeln über 50cm Durchmesser, ist die Überlegung erlaubt, ob man das Gewächs nicht lieber in den Garten pflanzt, oder ein voraussichtlich letztes Gefäß mit ca. 100cm Durchmesser wählt.

Bei der Bepflanzung von Kübeln kann ich besten Gewissens die Verwendung von Kübelpflanzensubstraten empfehlen.

Der hohe mineralische Anteil (Splitt, Blähton, Vulkanbruch etc.) reduziert das Absacken des Substrates. Gärtner nennen das strukturstabil. Außerdem reduziert der Steinchenanteil das Risiko von Übernässung, was bei reiner Blumenerde recht leicht eintritt. Neben dem Nässeschutz bieten die Steinchen aber auch die Möglichkeit, dass sehr trockenes Substrat schneller wieder Wasser aufnimmt. Das Wasser kann schnell in die Poren der Steinchen eindringen und von dort aus, die umliegende organische Erde rehydrieren.

Anstelle von fertigen Kübelpflanzenerden kann man sich natürlich mit den entsprechenden Zutaten das Substrat selbst mischen. Grundstoffe dafür sind, Erde (Pflanzerde, Blumenerde, Komposterde – möglichst keine Gartenerde), Splitt (Ziegelsplitt, Lavasplitt, Blähton/-bruch), gerne auch Sand. Sand ersetzt allerdings nicht den Splitt. Das Mischverhältnis hängt von den Ansprüchen der vorgesehenen Pflanze ab. Aber mit 2 Teilen Erde und 1 Teil Splitt hat man eine solide Ausgangsbasis.

Wenn du mehr zu diesem, oder auch anderen Gartenthemen wissen möchtest, dann melde dich gerne bei mir.



Geschrieben von:

Themenkategorien:

, ,

Ein Kommentar zu „Kübelpflanzen durch die Sommerhitze bringen“

  1. […] meinem früheren Beitrag „Sommer, Sonne, Trockenstress“ und auch „Kübelpflanzen durch die Sommerhitze bringen“ habe ich versucht zu vermitteln, welches Gießverhalten zu einer arbeitsarmen und handzahmen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert