Es raschelt in den Pflanzgefäßen – und das liegt nicht nur daran, dass meine Katzen der Meinung sind, der Dschungel sei ihr unumstrittenes Eigentum und sie dürfen überall durch meine Pflanzen streifen, wie es ihnen beliebt. (Dürfen sie – ich kann es eh nicht verhindern.)
Aber eben nicht nur meine Katzen verursachen das leise Rascheln meiner Zimmerpflanzen; denn wenn ich zur Zeit einen genaueren Blick auf meine Zimmerpflanzen werfe, kann ich feststellen, dass der Neuaustrieb im vollen Gange ist, oder zumindest gut an Fahrt aufnimmt. Die Pflanzen strecken und recken sich dem intensiver werdenden Licht entgegen und läuten das große Wachsen dieses Jahres ein.

In welchem Stadium sich Deine Zimmerpflanze im Moment befindet ist von einigen Faktoren abhängig. Angefangen bei Gattung und Art der Pflanze, über den Standort im Zimmer und die Ausrichtung des Raumes.
So beginnt der Zimmerfrühling naturgemäß in Räumen mit Ostfenstern, setzt sich über die Räume mit Südfenster fort und findet seinen Abschluss quasi mit dem Westfenster. Räume, deren Fenster nach Norden gerichtet sind, bedeuten in der Zimmerpflanzenhaltung einen besonderen Anspruch für den Pflanzenhalter. Pauschal kann ich sagen, dass hier alles subtiler vonstatten geht als in anders ausgerichteten Räumen und man wirklich genauer hingucken muss und sensibler auf die Signale der Pflanze reagieren sollte. Es gelten aber auch hier die gleichen Regeln.
Und diese Regeln kann man wie folgt zusammenfassen:
Der Winter für die Zimmerpflanzen ist vorbei und somit gibt es auch hier einen Frühjahrsputz, den man seinem Schützling zuliebe absolvieren sollte.
Das heißt Du nimmst Deine Pflanze in Augenschein. Eine Hilfestellung worauf es ankommt folgt nun:
Als erstes wird die Pflanze abgestaubt!
Wenn Du Deine Pflanze genau unter die Lupe nehmen willst ist es wichtig, sie zuvor von etwaigen Staubablagerungen zu befreien. Sonst wird es schwierig mit der Beurteilung des Laubes. Außerdem kann die Pflanze durch die Staubschichten nicht so viel Licht aufnehmen, wie wenn sie ohne diesen Filter im Licht badet. Im Sinne der Gesundheit Deiner Pflanze also gerne auch mehrmals im Jahr zum Staubtuch greifen. Abduschen mit kalkhaltigem Wasser kann ich nicht empfehlen. Zum einen empfinde ich es als herausfordernd die Wassertemperatur auf simulierten Tropenregen einzustellen, zum anderen bieten die entstehenden Kalkflecken einen guten Nährboden für Pilzinfektionen an Deiner Pflanze. Also besser mit einem weichen Tuch sauberstreicheln – der Pflanze zuliebe.

Dann empfiehlt sich der nächste Blick auf den Zustand der Durchwurzelung:
Besonders einfach ist dieser zu Prüfen, wenn man seine Pflanzen in sogenannten Kulturtöpfen in Kombination mit einem Übertopf hält. Dann nimmt man einfach die Pflanze samt Kulturtopf aus dem Übertopf und schaut an der Unterseite des Kulturtopfes, ob aus den Wasserabzugslöchern bereits Wurzeln herauswachsen.
Wenn Deine Pflanzen in Topfsystemen mit Wasserspeicher leben kann man versuchen mithilfe einer Taschenlampe in den Wasserschacht zu sehen. Wenn man da die Wurzeln sieht, kann man davon ausgehen, dass die Pflanze das Gefäß gut durchwurzelt hat.
Wenn kein Guckloch oder Wasserschacht da ist, um darüber eine Blick auf die Wurzeln der Zimmerpflanze zu erhaschen, dann empfehle ich die „Pass beim Gießen auf!“-Methode. Soll heißen, mit voranschreitender Zeit und Durchwurzelung passt beim Gießen immer weniger Wasser in einen Pflanztopf. Trotz regelmäßiger Wassergabe signalisiert die Pflanze dennoch in kurzer Zeit bereits wieder Wasserbedarf.

Wenn Du also feststellst, dass Deine Pflanze aus ihrem Gefäß herauswächst, dann ist es Zeit für einen neues, etwas größeres Pflanzgefäß. Hierbei achte bitte darauf, dass Du es nicht zu gut meinst und das neue Gefäß wirklich nur eine Nummer größer – in Ausnahmefällen zwei Nummern größer – ausfällt, als das Vorherige. Zu große Gefäße schaden den Pflanzen mehr, als es ihnen guttut.
Weiter mit dem Zustand der älteren Pflanzenteile (1):
Sind die Blätter gesund, ober sind Anzeigen von Parasitenbefall feststellbar? Meist erkennt man den Parasitenbefall an eigenartigen Verfärbungen eines Blattes. Das können unerklärliche winzige helle Sprenkel am Blatt sein. Mal zeigen sich Gespinste. Auch gut erkennbar sind die unterschiedlichen Arten von Lausbefall. Alles, das anders aussieht, als Du es an Deiner Pflanze erwarten würdest lohnt eine Recherche. Dabei aber nicht Blind auf Ergebnisse aus dem Internet verlassen. Am zuverlässigsten ist es, einige der auffälligen Blätter in ein Schraubglas, oder eine versiegelbare Plastiktüte zu legen und einen Gärtner zum Beispiel bei Deinem nächstgelegenen Pflanzenhändler oder Garten-Center zu konsultieren. Der kann Dich dann auch zu Deinem weiteren Vorgehen beraten. Generell lohnt es bei Pflanzenkrankheiten die Haltungsbedingungen mit einem Fachmann zu erörtern.

Und dem Zustand der älteren Pflanzenteile (2)
Neben den älteren Blättern ist es auch wichtig, die älteren Äste, Stämme und Stängel zu kontrollieren. Sind die Pflanzenteile gesund, oder ist auch hier Parasitenbefall erkennbar? Besonders Schildläuse entdecke ich immer am zuverlässigsten an den Stängeln und Ästen von Pflanzen, wenn sie nicht gut erkennbar an den Blattunterseiten zu finden sind. Es ist auch ganz normal, dass z. B. bei einem Ficus benjamina Ästchen und manchmal sogar ganze Teilstämme absterben.

Wichtig ist, dass kranke und auch tote Pflanzenteile von den und aus den Pflanzen entfernt werden. Aber erst nachdem abgeklärt ist, ob es sich wirklich um Krankheit oder einen Befall handelt. Krankes und/oder befallenes Material nicht in der Bio-Tonne oder dem Kompost entsorgen. Krankheiten und Schädlinge sollen immer über den Restmüll entsorgt werden.
Nun ein Blick auf den Ernährungszustand Deiner Pflanze
Zimmerpflanzen gehören definitiv zu den sparsamen Essern der Pflanzenwelt. Da Zimmerpflanzen üblicherweise aus subtropischen und tropischen Regionen unseres Planeten stammen, sind sie auf magere, also nährstoffarme Böden spezialisiert. Und wie alle Pflanzen leiden auch unsere Zimmerpflanzen, wenn man es zu gut mit Ihnen meint, und ihnen zu viel Nahrung aufzwingt. Daher ist meine Empfehlung immer erst dann zu düngen, wenn die Pflanze einen Nährstoffmangel erkennen lässt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die gesamte Pflanze zu hell erscheint. Oder sich die Blätter von den Rändern her hell verfärben, aber die Blattadern dabei dunkel bleiben.

Da Zimmerpflanzen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt stammen, kann ich hier nur schwer eine pauschale Düngerempfehlung geben. Wichtig bei der Auswahl des Produktes ist, dass es in Zimmerpflanzenerde bzw. Zimmerpflanzensubstraten keine oder nur wenige Bodenorganismen gibt. Das heißt, dass organische Masse nicht zu Nährsalzen die unsere Pflanzen aufnehmen können umgewandelt wird. Deshalb achte darauf, dass Dein gewählter Dünger entweder ein mineralischer Dünger ist. In mineralischen Düngern liegen die Nährsalze in pflanzenverfügbarer Form vor. Diese bergen jedoch das Risiko, dass die Substrate übersalzt werden.
Was ich immer bevorzuge sind organische Dünger. Es gibt organische Dünger bei denen die Nährsalze zu sogenannten Chelat-Verbindungen umgewandelt wurden. Diese Chelate können von den Pflanzen aufgenommen werden und bergen ein deutlich geringeres Übersalzungsrisiko.
Der letzte Blick gilt dem Umfeld der Pflanze
Heruntergefallene Pflanzenteile, Ablagerungen auf der Topferde, Staub und Schmutz am Pflanzgefäß dürfen als abschließende Handgriffe noch entfernt werden, bevor man seine Pflanze wieder an ihren alten Platz, oder sogar an einen neuen Standort stellt. Alte Pflanzenteile die auf dem Substrat liegen sind ein typischer Nährboden für Pilze. Somit ist es wichtig diese zu entfernen und einen genauen Blick darauf zu werfen, bevor man es entsorgt. Hier können sich erste Warnsignale zur Früherkennung eines Problems zeigen.

Generell kann ich empfehlen: Wer sich nicht sicher ist, was seine Pflanze ihm auf ihrer eigenen Art und Weise mitteilen möchte, fragt bitte einen Pflanzenfachmann in seiner Nähe und befolgt die ihm gegebenen Ratschläge.
Wie ich mit den gezeigten Beispielen verfahre, erkläre und zeige ich in den kommenden Tagen.
Viel Spaß bei Deinem Zimmerpflanzen-Frühjahrsputz!

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