Die Nacht der kalten Lichter

Der Garten war längst in der Nacht verschwunden. Nur die Konturen der Bäume und Sträucher blieben – Schatten, die kaum voneinander zu unterschieden waren. Die Luft war warm und schwer; kein Lüftchen hatte die Schwüle des Tages fortgetragen.

Diana stand an ihrem Zaun, unbeweglich. Ihre Arbeit war getan, doch der Garten ließ sie nicht gehen.

Luca trat neben sie. Kein Gruß, kein Wort. Nur das gemeinsame Warten, bis die Dunkelheit sich öffnete.

Dann erglomm das erste Licht. Ein winziger Funke, kalt, unirdisch. Er schwebte, verschwand, tauchte wieder auf – als würde er die Nacht selbst abtasten.

Diana berührte Luca sanft am Arm und bedeutete ihr, ihr zu folgen. Schweigend gingen sie den Pfad hinunter, bis an den Rand der Wiese unter den alten Eichen und Pappeln. Die Holzhäcksel knirschten leise unter ihren Füßen.

Vor ihnen lag die Wiese, und im schwachen Mondlicht waren die Staudenwogen nur schemenhaft zu erkennen.

Dann begann es in den dunklen Wogen zu glimmen: ein stilles, bodennahes Leuchten, das die Dunkelheit nicht vertrieb, sondern füllte.

Ein Leuchten, das in blassem Grün aufglomm, sich zu kühlem Blau verdünnte und wieder in ein zitterndes Gelb zurückfand – wie ein Atemzug aus Licht.

Über ihnen schwirrten die lautlosen Männchen, unruhig, suchend, wie kalte Teilchen in einer fremden Ordnung. Ihre Bahnen kreuzten sich, verschwammen, lösten sich wieder auf. Kein Laut. Nur Licht.

Manche der Funken sanken zu den wartenden Weibchen hinab, andere stiegen auf und zogen dort Kreise auf unsichtbaren Bahnen.

Luca hielt den Atem an, als eines der Lichter auf sie zusteuerte. Sie wollte nichts stören.

Nicht den Tanz.

Nicht diese Stille.

Nicht diese Nacht.

Diana lächelte, kaum sichtbar, eher zu spüren als zu sehen. „Wenn unten Weibchen und oben Männchen glimmt“, flüsterte sie, „dann weiß man, dass der Garten stimmt.“

Die Wiese atmete.

Die Lichter glitten.

Und die Nacht war nicht dunkel –

sie war voll.



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