Der Same des Riesen

Ein Gartenmärchen über Feuer und Luft

Tief im Zapfen eines alten Riesenmammutbaum schlief ein kleiner Same.

Hoch oben hing er, weit über dem Boden, getragen von einem Baum, der schon viele Jahre gesehen hatte.

Der Zapfen hielt ihn fest –nicht aus Enge, sondern aus Geduld.

Jahrelang geschah nichts.

Sonne wärmte die Schuppen.

Regen rann an ihnen hinab.

Winter legte sich darüber und ging wieder.

Doch der Zapfen blieb geschlossen.

Bis das Feuer kam.

Es kam nicht leise.

Es fraß sich durch das Unterholz, ließ die Luft flirren, stieg am Stamm empor und brachte Hitze dorthin, wo sie lange nicht gewesen war.

Der Zapfen spürte sie.

Und langsam begann er sich zu öffnen.

Schuppe für Schuppe gab nach – nicht als Niederlage, sondern wie ein Versprechen, das endlich eingelöst wurde.

Der Same fiel nicht einfach.

Er wurde gehoben.

Warme Luft trug ihn nach oben, hob ihn aus dem Schatten des Baumes hinaus in eine Welt, die größer war als alles, was er kannte.

Und dort oben wartete der Wind.

Er nahm den kleinen Samen auf, ohne zu fragen, ohne zu zögern, und trug ihn fort.

Fort von dem alten Riesen.

Fort von dem Ort, an dem alles begann.

Der Same wusste nicht, wohin er flog.

Und er ließ sich einfach tragen.



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