Pflegeleicht beginnt beim Kauf

Wie richtige Standortwahl und Sortenkenntnis spätere Pflegefallen verhindern.

Auch wenn es am Anfang kompliziert wirkt: Ein paar Minuten Planung reichen, damit deine Pflanzen später weniger Arbeit machen.

Pflanzenkauf will geplant sein

Man kann sich auf verschiedenen Wegen der neuen Pflanze für Garten, Balkon und auch Zimmer nähern. Häufig wird der Weg des Spontankaufs gegangen.

Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn man sich im Klaren ist, was der Kaufimpuls im Geschäft auf Dauer bewirken kann.

Häufige Probleme, beim mangelinformierten Pflanzenkauf

Was meine ich mit „mangelinformierten“ Pflanzenkauf?

Unterschiedliche Händler-„Kategorien“ lassen unterschiedliche Ergebnisse erwarten.

Zum Beispiel kann es passieren, dass eine Staude beim lokalen Supermarkt im Mai mit üppigen Blüten zum Kauf angeboten wird. Das zugehörige Etikett spricht aber von einem Blühzeitraum von Juni bis August. Solche Diskrepanzen können daher rühren, dass die Blüte durch Treibhäuser frühzeitig erzwungen wurde. Im heimischen Garten wird dieser Effekt aber nicht eintreten und die Staude somit zu einer anderen Zeit blühen und evtl. nicht die Blütenlücke im Wunschmonat füllen. Kauft man dagegen beim ortsansässigen Züchter wird der Blühzeitpunkt beim Kauf und im eigenen Garten sehr nah beieinander liegen bzw. deckungsgleich ausfallen.

Häufig fehlt bei Pflanzen, die nicht aus dem Fachhandel stammen der Sortenname. Das mag einem persönlich nicht wichtig sein, bedeutet aber, dass keine zuverlässige Information über die Wuchseigenschaften der Sorte vorliegt. So gibt es zum Beispiel bei den Astern sehr unterschiedliche Arten und diese unterteilen sich wiederum im viele Sorten. Folglich kann es passieren, dass man eine Kissenaster (bot.: Aster dumosus) kauft, im guten Glauben, dass das Pflänzchen nur ca. 20 cm Höhe erreichen wird. Und dann im nächsten Jahr feststellt, dass es jene Sorte Kissenaster ist, die es dann doch bis zu einer Höhe von 50 cm schafft.

Das klingt noch nicht nach einem großen Problem, auch wenn es in der Beetgestaltung einen Unterschied ausmacht, ob die Pflanze ungefähr bis zum Knöchel reicht, oder doch auf Kniehöhe ankommt.

Zeigt das Etikett nur den Gattungsnamen, in unserem Beispiel „Aster“ dann können die Wuchshöhen zwischen 20 und 200 cm liegen. Das ist dann der Unterschied zwischen „knöchelhoch“ oder größer als ein Mensch. Eine solche Überraschungspflanze kann dann am vorderen Rand eines Staudenbeetes den ganzen Beetplan sprengen.

Standortangaben kommen aus dem Land des Etiketts. Das klingt zunächst merkwürdig, aber in anderen Ländern herrschen andere Klimaverhältnisse. So gibt es Pflanzen, die mancherorts an vollsonnigen Standorten bestens zurecht kommen, aber nur weil die Luftfeuchtigkeit dazu passt. Wenn wir einem „küstennahen“ Pflanzenetikett blind vertrauen, kann das zum sicheren Ende der Pflanze am eigenen „küstenfernen“ Standort führen.

Frosthärte ist ein ganz schwieriges Thema. Wenn ich online in Italien eine Olive bestelle, wird auf der italienischen Website vollkommen korrekt „absolute Winterhärte“ attestiert. Das gilt aber nur für den italienischen Winter und ist leider nicht uneingeschränkt auf unsere Klimazone übertragbar.

Sinne auf, vor dem Pflanzenkauf!

Bevor man spontan das erste hübsche Blümchen das man entdeckt aus dem Laden trägt, lohnt es kurz innezuhalten. Jede Pflanze hat Ansprüche. Die Ansprüche müssen nichts besonderes sein, aber wenn sie erfüllt werden, hat man auch was von dem neuen grünen Mitbewohner.

Welche Sinne sind denn wichtig?

Kurz gesagt: alle

Sehen:

Sieh dir den Standort an. Ist er rund um die Uhr und rund ums Jahr sonnig, oder wird im Winter Schatten an die Stelle geworfen? Bekommt der Standort Morgen-, Mittags-, Abendsonne? Welche Pflanzen stehen hier schon, und auf welcher Höhe und Breite fehlt noch welche Laubfarbe, Blüte, Fruchtschmuck etc.

Fühlen:

Gerne mal die Jacke kurz ausziehen und am Standort prüfen, ob es sich eher windig anfühlt, oder ob hier die Sonne regelrecht auf der Haut brennt. Auch der Griff auf und sogar in die Erde kann helfen, die ideale Pflanze für diesen Standort zu finden.

Riechen/schmecken:

Nicht die Erde verkosten! Es geht darum einfach mal etwas in die Luft zu schnuppern und auch durch den Mund zu atmen, da man über Nase und Mund unterschiedliche Geruchsstoffe unterschiedlich wahrnehmen kann. Einerseits kann man dadurch wahrnehmen, ob der Standort trocken, oder saftig ist. Andererseits kann man nur so herausfinden, ob hier noch ein wenig Duft im Garten fehlt, den eine entsprechende Pflanze mitbringt.

Hören:

Gibt es am Standort Geräusche, die man gerne aus seinem Garten aussperren will? Auch ein Echo, das von der Steinwand widerhallt, kann durch Begrünung gebrochen werden. Oder ist der Standort so totenstill, dass es Zeit wird für eine Pflanze die sanft im Wind raschelt, oder vielleicht viele piepsende Vögel anlockt?

Augen und Ohren auf beim Pflanzenkauf!

Klar ist es wichtig, dass die Pflanze gefällt. Aber wenn eine Pflanze nicht zum Standort passt, wird sie an optischem Reiz verlieren und außerdem zu einer Pflegefalle!

Beispiel: Bauernhortensie (bot.; Hydrangea macrophylla): die Bauernhortensie ist meiner Erfahrung nach eine der beliebtesten und zugleich verhasstesten Gartenpflanzen. Sie ist prächtig sattgrün im Laub und blüht üppig und sehr lange. Wenn der Standort passt! Wenn der Standort jedoch nicht den Ansprüchen einer Bauernhortensie genügt, dann ist sie weder sattgrün noch üppig blühend. Dann zeigt sie gelbliches und stumpfes Laub mit hoher Schimmelbildung und auch die Blüten halten nicht annähernd so viele Wochen durch als wäre sie schattig gepflanzt. Als Bonus friert eine Bauernhortensie an schlechten Standorten häufig soweit zurück, dass die Blüte vollständig ausbleibt und die Pflanze nach wenigen kläglichen Jahren endgültig aufgibt und für immer aus dem Garten verschwindet.

An einem sonnigen Standort hat man mehr Freude an der Pflanze, wenn man auf den sachkundigen Berater im Fachgeschäft hört und zum Beispiel zu der empfohlenen Rispenhortensie (bot.: Hydrangea paniculata) greift. Diese kommt mit sonnigen Standorten sehr gut zurecht. Wer sich auf diese Alternative einlässt wird feststellen, dass das sattgrüne Laub einer Hortensie sehr wohl in der Sonne existieren kann und dass die Blüten auch tatsächlich die vielen Wochen farbenschöner Präsenz an den Tag legen können. Einzig auf die blauen Blüten von Hortensien muss man in der Sonne verzichten. Realistisch betrachtet ist es jedoch genau der gleiche Verzicht, als würde man auf seine blaublühende Bauernhortensie bestehen – diese wird den sonnigen Standort ja ohnehin nicht überleben.

Also ja: Augen auf, damit die ausgewählte Pflanze auch gefällt. Aber ebenso die Ohren auf, dass es der Pflanze am ausgewählten Standort gefällt!

Wer keine Rücksicht auf die Ansprüche einer Pflanze bezüglich ihres Standortes nimmt bekommt als Ergebnis eine Pflanze, die keine Rücksicht auf den „Pflegeleicht-Wunsch“ ihres Besitzers nimmt.

Die Pflegefalle:

Pflegeleicht ist kein Attribut, das man auch nur einer einzigen Pflanze verleihen kann, wenn man nicht ihre Ansprüche als Maßgabe für die Auswahl nimmt. Der häufig als pflegeleicht gerühmte Kirschlorbeer ist so ein Beispiel: Im Laden, dunkelgrünes Laub, das Festigkeit ausstrahlt. Am Besten ist man gerade dann in der Baumschule, wenn der Kirschlorbeer gerade blüht. Es summt und brummt, manch Einer kann evtl. sogar den Nektarduft riechen – eine Pflanze die Genuss für Augen, Ohren und Nase bereithält. Man nimmt sie mit nach Hause, pflanzt sie in den südseitig ausgerichtet Vorgarten und ab da wird sei von Tag zu Tag gelblicher. Außerdem hängen die Blätter laufend vor Durst schlapp an der Pflanze. Immer mehr Blätter bekommen Löcher, der unübersehbare Beleg, dass hier Schädlinge am Werk sind. Dann im Winter ist sie gar nicht mehr so üppig immergrün, wie immer behauptet wird und im nächsten Frühjahr stellt sich heraus, dass fast alle Triebe weit zurückgefroren sind. Es wird von Frühling bis Herbst gegossen, es wird gedüngt, es werden Nematoden oder im schlimmsten Fall Chemikalien eingesetzt, die den Schädling in Schach halten sollen, es wird geschnippelt und geschnitten und dann das viele dörre Laub, das unter der Pflanze liegt.

So stellt sich wohl kein Gartenbesitzer seinen Saisonverlauf unter dem Begriff „pflegeleicht“ vor.

Und das liegt nicht an der Pflanze – nicht im eigentlichen Sinne! Es liegt auch nicht am falschen Gießen und auch dem Schädling ist nicht schuld.

Das Geheimnis hinter derartigen Miseren liegt im Standort!

Und so kann jede noch so exotische Pflanze pflegeleicht sein, oder zu einer Pflegefalle mutieren.

Wenn der Kirschlorbeer, wie er es gern hat, zwar sonnig steht, aber in der Zeit zwischen 11 und 14 Uhr zumindest im Teilschatten steht, wird er seinem pflegeleichten Ruf gerecht. Und diese Logik kann man auf jede Pflanze übertragen:

pflanzen-gerechter Standort –> pflegeleichte Pflanze

unpassender Standort –> Pflegefalle

Pflanzenporträts — Mit Standort, Pflege, Einsatzideen und Stimmungsbildern:
Zu den handzahmen Champions (meine Favoriten im Garten):