Der handzahme Garten

„Ich will einen pflegeleichten Garten!“ Ein Wunsch, den man wirklich nahezu überall hört.

In meiner gärtnerischen Laufbahn wurde dieser Wunsch regelmäßig an mich gerichtet. Für mein Verständnis ist „pflegeleicht“ allerdings zu schwammig und wenig differenziert, daher habe ich für meine Arbeitsweise den Titel „der handzahme Garten“ gefunden.

Aber bleiben wir bei dem Wunsch nach dem pflegeleichten Garten.

In meinem Kopf bildet sich bei einem solchen Wunsch mehr oder weniger sofort das Bild eines Gartens, der aus einer Wildwiese, einer Buchenhecke, und einigen Beeten mit blühenden Sträuchern und vielen einfachen Stauden, wie der Schafgarbe zusammensetzt. In der Mitte am Besten noch eine Walnuss oder Kastanie, darunter wächst fast nichts – macht also nur im Herbst Arbeit. Da kann man nicht viel falsch machen und muss auch insgesamt nicht viel tun, damit es grün ist und bleibt.

Da dies eher selten das Bild ist, das Gartenbesitzer vor Augen sehen wenn sie es sich pflegeleicht wünschen habe ich also erst einmal einige Gegenfragen gestellt:

  • Was verstehen Sie denn unter leichter Pflege Ihres Gartens?
  • Welche Vorstellung haben Sie denn im Kopf?
  • Sollen es eher viele große Sträucher sein?
  • Wollen Sie auf keinen Fall gießen müssen?
  • Haben wir noch Bedarfe zu decken, wie zum Beispiel die Wäschespinne, oder der Pool für die Familie?
  • Sind noch weitere Sitzgelegenheiten und Verweilorte geplant?

Der größte Teil der Kunden stellte sich „viel Rasen“ vor, gepaart mit „es soll schon irgendwie immer blühen“ und „insektenfreundlich versteht sich ja heute von selbst“, und „ein Sichtschutz in Richtung Straße, oder auch zum Nachbarn hin“ war auch sehr oft unter den erstgenannten Aspekten. „Möglichst viel Immergrün, aber nicht giftig“, wurde dann noch häufig nachgeschoben. Und ganz wichtig: „Es darf keinen Dreck machen!“

Soweit zu den Wünschen und Vorstellungen. Aber neben Wünschen und Vorstellungen gibt es ja auch noch die Realität in Form von Gegebenheiten.

Gegebenheiten wie zum Beispiel:

Jede Pflanze macht Dreck – also müssen wir den Dreck finden, der am wenigsten stört.

Wie groß ist denn der Bereich um den es geht? Manche Wünsche sind einfach nicht umsetzbar, wenn der Platz nicht ausreicht.

Wo und wann ist zuverlässig Schatten auf dem Grundstück, wo ist quasi immer pralle Sonne? Pflegeleicht beginnt mit dem zu den Ansprüchen der Pflanze passenden Standort.

Wieviel Zeit und Kosten möchte oder kann man jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr in den Garten investieren? Es ist nobel, wenn man sich vornimmt, viel im Garten zu arbeiten, aber manchmal ist es eben einfach nicht möglich die Zeit dafür aufzuwenden.

Wie sieht denn die Erde aus? Es hilft nicht z. B. eine Weinpflanze in torfige Erde zu stecken und umgekehrt eine Hortensie in stark kalkigem Boden ihrem Schicksal zu überlassen.

Wie sind denn die klimatischen Bedingungen? In manchen Bereichen kommen allein schon topographisch bedingt andere Wetter und Witterungen an, als bereits ein Grundstück weiter.

Meine erste Kapernstrauch-Blüte

Nachdem somit schon mal ein grober Abgleich der Vorstellungen und Gegebenheiten geschafft war, blieb noch zu ermitteln, was genau denn individuell als pflegeleicht und andersherum als pflegeintensiv empfunden wird.

Da laufen dann die Auffassungen durchaus schon sehr weit auseinander.

Dem Einen erscheint es zum Beispiel als geringer Aufwand ca. 15 Mal im Jahr den Rasen zu mähen, die große Fläche regelmäßig und möglichst gleichmäßig zu gießen, zu Düngen, zu vertikutieren und und und.

Dem Anderen ist es deutlich lieber die Hauptarbeit im Frühjahr und dann nochmal im Herbst in seinen Staudenbeeten zu leisten.

Wieder andere finden es keinen relevanten Aufwand die schnellwüchsige Hecke 2-3 Mal im Jahr zu schneiden und die Schnittabfälle zur Halde zu bringen.

Diese und viele weitere sehr persönliche Sichtweisen heißt es jetzt also unter einen Hut, oder in einen Garten zu bringen. Und somit kommen wir zu meiner Definition vom handzahmen Garten.

Intelligente Flächenplanung und Beetgestaltung können durchaus erreichen, dass die Wünsche, Anforderungen und Möglichkeiten der Gartenbesitzer berücksichtigt sind und dennoch der ganz persönliche Gartentraum erlebt werden kann.

Was meine ich mit „Der handzahme Garten“?

Der handzahme Garten ist kein Produkt von der Stange, das einfach irgendwo online als Einkaufsliste eingesehen oder als fertiger Warenkorb bestellt werden kann. Es sind eben nicht nur die pauschal als pflegeleicht definierten Aspekte die den Garten einfach und bequem handhabbar machen können. Der handzahme Garten bietet die größtmögliche Balance zwischen Wunscherfüllung, den Gegebenheiten und dem Leistungspotential und Ansprüchen der Pflanzen, des Gartens und seines Besitzers.

Was macht für mich den handzahmen Garten aus? Und wie bekomme ich das hin?

Es darf getrickst werden! Eigentlich soll sogar getrickst werden…

Der asiatische Ahorn ist zwar wunderschön, aber irgendwie verbrennen im Sommer immer die oberen Blätter. Spezielle Hollunder-Sorten (zum Beispiel Sambucus nigra „Black Lace“ oder „Cherry Lace“, oder in Säulenform „Black Tower“) kann wunderbar als Ersatz für einen asiatischen Ahorn herangezogen werden, wenn es für den Asiaten zu sonnig und lufttrocken ist. Das Laub der Pflanzen ähnelt sich zwar optisch, aber ein sonniger Standort bekommt dem Holunder besser und der Pflegeaufwand sinkt somit im Vergleich mit einem asiatischen Ahorn drastisch.

Der Garten ist für einen Obstbaum zu klein, und eigentlich wirft ein ausgewachsener Baum eh zu viel Ernte ab, und dann auch noch das Thema mit dem Schneiden! – Kein Thema, es gibt viele Wildobstgehölze, die durchaus schmackhaftes Obst liefern und lediglich einen Teil des Platzes in der Hecke benötigen. Oder vielleicht gefällt die Idee sogar noch besser, sich einen Zwerg-Obstbaum in einem Kübel auf der Terrasse/dem Balkon zu halten. Auch hier lässt sich mit geschickter Nutzung der Gegebenheiten viel Aufwand sparen. Die richtige Topfgröße, das zur Pflanze passende Substrat, intelligent gewählte Unterpflanzung, da diese die Gesamtpflege erleichtert, wenn man es geschickt anstellt. Obst trotz wenig Aufwand!

Ein Apfelbaum auf meinem Balkon
Zwei Apfelbäume auf meinem Balkon

Die vorhandene Steinterrasse wirft im Sommer soviel Hitze ab, dass alle Pflanzen am Terrassenrand jedes Jahr aufs Neue eingehen. Es gibt so viele tolle Pflanzen, die genau diesen Lebensraum lieben. Manchmal darf man es diesen Spezialisten nochmal durch eine Bodenaufbesserung bequemer in ihrem Dasein machen, aber für jeden Standort ist eine Pflanze gewachsen. Vielleicht bietet sich hier aber auch gerade die tolle Gelegenheit die Hitzesituation auf der Terrasse mithilfe eines dekorativen Baumes/Bäumchens, der natürlichen Schatten liefert, auch für den Menschen erträglicher zu gestalten. Für das Auge dürfen dann wiederum gerne noch hübsche Blumen unter dem Baum Einzug halten.

Die Lärmschutzwand schützt nicht so wirklich und die davor gesetzten Pflanzen haben auch nur wenig Unterschied ergeben. Dann entgegnen wir dem Lärm von Außen mit „Weißem Rauschen“ von Innen. Das Plätschern eines kleinen Quellsteins genügt bereits um viele Hintergrundgeräusche zu überlagern und für eine heimelige Akustik zu sorgen. Dazu kommt, dass es die Luftfeuchtigkeit erhöhen kann und direkt noch dem ein oder anderen Gartentier eine Trinkstelle bietet.

Auch die Materialauswahl kann den Freizeitanteil im eigenen Garten maßgeblich beeinflussen. So gibt es Natursteinbeläge für Terrassen und Wege, die einfach nie Moos ansetzen, egal wo sie liegen. Und dann gibt es Natursteinbeläge, die sogar in der prallen Sommersonne beweisen, dass Moos nicht nur im Schatten wächst.

Eine Rose ist nicht gerade pflegearm. Aber wenn man eine Rose haben will, kann man immer noch viel Arbeit abwenden, wenn man ihre speziellen Ansprüche bei der Sortenwahl und dem Standort als Leitmotiv beim Einkauf nutzt.

Es gibt unzählige Aspekte, Tricks und Kniffe wie man das Ziel „Wenig Aufwand für den Garten“ erreichen kann und dabei nahezu keine Abstriche bei der Gestaltung und Pflanzenwahl in kauf nehmen muss.

Wie bekomme ich meinen Garten handzahm?
  • Beobachtung des eigenen Gartens/Balkons/Zimmers
  • Beobachtung des eigenen Arbeitswillens
  • Beobachtung von Wetter und Klima
  • Recherche und Nachfrage bei fachkundigen Mitmenschen
  • Konsequente Erziehungsarbeit an den Pflanzen, vor allem in den ersten Jahren. Je besser man seine Pflanzen erzieht, desto besser kann man sie auch mal alleine lassen.
Kann ich auch meine Zimmerpflanzen und Kübelkulturen „handzahm“ kriegen?

Ja. Zugegebenermaßen sind Kübelkulturen in mancher Hinsicht anspruchsvoller als Gartenpflanzungen. Aber auch hier kann man viel Aufwand sparen, wenn man es intelligent und durchdacht angeht. Hier gelten im Grunde die gleichen Regeln wie im Garten auch. Und das gilt ebenso im Innenraum. Viele Zimmerpflanzen-Zickereien treten durch konsequente Erziehung der Pflanze einfach nicht auf.

Geht handzahm nur durch einen vollständigen Neustart oder können bisherige Ungeschicktheiten oder Erziehungsmängel ausgebügelt werden?

Es ist nie zu spät! Auch ein seit vielen Jahren laufender Garten, Balkon und Zimmerdschungel kann jederzeit noch in seinem Pflegeaufwand umerzogen werden. Und das ohne Umgestaltung oder Neuanschaffungen. Es gibt immer noch ein Stellschräubchen, an dem man drehen kann, darf und sollte.

Blüten

Der handzahme Garten kann somit als eine spezielle Form des pflegeleichten Gartens verstanden werden. Hier steht an vorderster Stelle die Potentiale des Gartens genauso wie die Potentiale des Gärtners zueinanderzubringen.

Ich persönlich bevorzuge die Sichtweise:

Der handzahme Garten ist auf die Hand seines Besitzers abgestimmt und trainiert.

Somit ist der handzahme Garten „individuell pflegeleicht„!

Ein einfach nur pflegeleichter Garten wirkt schnell uninspiriert und ist mir oft nicht individuell und persönlich genug – da geht mehr bei weniger Arbeit!

Hier findest du eine Auswahl meiner handzahmen Champions.